nullmeridian aka nunatak

Hin und wieder schreibe ich hier was.

Thema Flattr. Abgedroschen? Ich finde nicht.

Das Thema Flattr (Wikipedia) ist eigentlich schon uralt und damit für viele vielleicht auch längst nicht mehr interessant. Ich finde trotzdem, dass es noch einige Diskussionen, Blog- und hoffentlich auch andere Medienbeiträge wert ist. Denn Flattr hat noch lange nicht die Bekanntheit und Verbreitung die es haben sollte.

Schon seit einer gefühlten Ewigkeit geistert ein Blogpost über #Flattr immer wieder in meinem Hirn herum. Schreibfauler Blogger der ich nun einmal bin, wurde daraus dann doch nie mehr als mal ein Tweet oder ein Nebensatz hier und da. Wieder ins Bewusstsein kam er, als mir unlängst auffiel, dass die Wochenzeitung Freitag (@derFreitag) endlich (wieder) Flattr als Bezahlmöglichkeit anbietet. Damit ist er neben der TAZ und Jungle World eine der seltenen Ausnahmen in der deutschen Zeitungslandschaft. Alle drei „linke“ Zeitungen und das sicherlich nicht aus Zufall, wozu ich gleich noch kommen werde. Jedenfalls merkte ich plötzlich, dass ich wieder viel lieber beim Freitag vorbeischaute, um interessante, lesens- und damit flattrwerte Artikel zu konsumieren und diese dann auch zu honorieren. Das ist doch etwas krotest, ich schaue bewusst verstärkt dort vorbei um gute Artikel zu finden, die einen Flattr-Click wert sind!?
Ich erkläre mir das so: es ist eben gar nicht so, dass wir (bzw. hier erstmal ich) alles am liebsten umsonst haben wollen und Schmerzen erleiden sobald irgendwo die Zahlungsaufforderung erscheint. Das kann man jetzt bestimmt sozialpsychologisch auf meinen Egoismus runterbrechen: Ich fühle mich dabei gut, ähnlich wie es beim Spenden der Fall ist. Sei es drum, gut so! Bezahlen eben muss einfach mehr wie spenden werden, dann fällt es uns allen viel leichter.
Flattr, das ist ein von Peter Sunde und Linus Olsson 2010 in Schweden gegründeter Micropayment-Dienst. Dabei setzt jede Nutzer*in einen beliebigen monatlichen Betrag, der dann unter den geflattrten Beiträgen des entsprechenden Monats aufgeteilt wird. Fast seit Beginn habe ich einen Account, den ich seither mal mehr, mal weniger zur Bezahlung guter Netzinhalte nutze. Anfangs gab es auch einiges an Kritik: Die von den Betreibern des Dienstes erhobene Gebühr sei zu hoch, man wolle mit dem Dienst vor allem Profit machen. Klar will man, aber das ist ok! Dies führte vor allem in Open-Source-Kreisen teils zu heftigen Diskussionen darüber ob Flattr zu akzeptieren sei um Open-Source-Blogs etc. zu „finanzieren“ (wovon bislang bei den paar Klicks bestimmt kaum irgendwo die Rede sein kann). Ich kann mich noch erinnern, wie Chris, der das sehr gute Blog Linuxundich betreibt seinen Rückzug vom ubuntuusers.de-Planeten und dem Forum bekannt gab. Mein Argument bei einer Diskussion damals im Forum von ubuntuusers.de war, dass die Gebühren zwar auch mir noch relativ hoch erscheinen, es sich jedoch bei Flattr um einen innovativen und einfach nutzbaren, quasi barrierefreien Dienst handelt, der freiwilliges Bezahlen im Netz plattformüberschreitend denkbar einfach macht. Und dass die Gebühren bei steigender Nutzerzahl sicherlich auch sinken können, da die Umkosten der Betreiber damit anders skalierbar seien. Flattr ist ein Dienst der einfach mal gezeigt hat, wie Bezahlen auch funktionieren kann und das ist erstmal eine richtig, richtig gute Leistung!
Das tut er noch immer. Allerdings in der Nische. Flattr ist zwar in netzaffinen und Blogger*innenkreisen seitdem weit verbreitet und gut bekannt. Über ein Nischendasein kam er aber nie richtig hinaus. Und so wird das monatliche Budget flattraffiner Netzmonaden innerhalb einer überschaubaren Community hin und her geschoben. Ganz so ist es nicht, aber ähnlich.

In der ganzen Debatte um Bezahlmöglichkeiten von Netzinhalten, Zeitungen wollen ihren Content auch im Netz irgendwie gewinnbringend ans Volk bringen, werden vor allem von den größeren Zeitungsverlagen verschiedene Modelle des Abonnement oder von Paywalls (den Begriff mögen sie  nicht, ist aber treffend) diskutiert, Flattr bleibt dabei weitgehend außen vor. Warum, das fragte ich schon von Anfang an? Und habe genau diese Frage bzw. die Aufforderung endlich einmal auch Flattr in diese Überlegungen einzubeziehen, immer wieder über Twitter an geeigneter Stelle fallen gelassen. Natürlich wurde niemals darauf reagiert, wahrscheinlich noch nicht mal im jeweiligen Unternehmen an die richtige Stelle weiter kommuniziert (außer vielleicht beim Freitag, wer weiß). Mein Argument von Anfang an: Ja, Flattr ist nach wie vor Nischenprodukt und bringt euch wahrscheinlich erstmal nur Peanuts. Aber, wenn Zeitungen ihre Reichweite und die damit verbundene Macht nutzen und den Dienst als Bezahlmöglichkeit aktiv forcieren und dessen Nutzung bewerben, würde aus der Nische vielleicht bald mehr.
Die Gründe für Zeitungsanbieter dies alles nicht zu tun sind einigermaßen offensichtlich: Man setzt bei Flattr einen monatlichen Betrag fest. Setzte ich zehn Euro und flattre zehn Artikel (oder irgendeinen anderen flattrbaren Content), entfällt auf jeden ein Euro. Flattre ich dagegen 100 sind es nur 10 Cent pro Klick. Die Einnahmen steigen also nicht automatisch mit höherer Nutzung von Netzinhalten und das finden kommerzielle, marktwirtschaftlich denkende Anbieter erstmal schlecht. Außerdem müssten sie ja dann untereinander aufteilen, wo sie doch eigentlich Marktkonkurrenten sind. Am Ende sogar mit den mehr oder weniger ungeliebten Blogger*innen teilen, die ihnen ohnehin schon seit Jahren die Butter vom Brot nehmen.
Ich hatte auch schonmal irgendwann geschrieben (getwittert oder in einer Forendiskusssion, ich weiß nicht mehr genau an welcher Stelle das war), dass, falls Flattr als Dienst nicht gefallen würde, man auch einen ähnlichen, neuen ins Leben rufen könne. Das gleiche habe ich übrigens den Open-Source-Skeptikern damals vorgeschlagen. Natürlich wäre ein Dienst nutzlos, der nur eine einzelne Zeitung, oder das Portfolio eines einzelnen Verlages oder einer Verlagsgruppe beinhalten würde, das würde der Nützlichkeit und Flexibilität viel zu viel abbrechen. Also müsste man sich schon irgendwie wenigstens branchenweit zusammenraufen und mit denen kommunizieren, die man ansonsten meistens als Konkurrenten betrachtet.

Auf der anderen Seite sehe ich Flattr als Nutzer. Und ja, auch ein wenig ideologisch um dieses böses Wort zu benutzen, bei dem jetzt vielleicht einige aufhören zu lesen, sich abwenden und denken: Pfui, Ideologie, das wollen wir nicht! Ihrer, ganz sicher vorhandenen eigenen Ideologie sind sie sich dabei dann nicht bewusst. Und wenn man im Zeitgeist strömt, dann strömt man eben mit der Mehrheitsideologie, mit dem derzeitigen Paradigma, der marktwirtschftlichen Ökonomie! Jedenfalls ist auch das, ist jedes Meinungsgebäude irgendwo auch mehr oder weniger Produkt einer Ideologie. Also wieso nicht benennen?
Wieso also ist Flattr ein toller Dienst, weshalb ist die Form der Bezahlung zu begrüßen und zu unterstützen, während ich Paywalls so ziemlich grundsätzlich ablehne und boykottiere? Ich mag es wenn Nutzer entscheiden können was es wirklich wert ist bezahlt zu werden. Kaufe ich mir eine Tageszeitung, blättere ich 20 Minuten darin herum, stelle meist fest, keiner der Artikel ist wirklich interessant und lesenswert, keine der Nachrichten neu oder für mich wichtig. Weg damit, Geld verschwendet! Das Gefühl stellt sich übrigens nicht nur bei regionalen Blättern ein, auch wenn ich die „renommierte“ Wochenzeitungen Die Zeit oder FAS kaufe ist es oft ganz ähnlich. Derzeit nutze ich probehalber ein kostenfreies Digital-Abo der FAS. Die App ist Schrott, das Produkt meist nur in Bruchteilen lesenswert. Wäre sie es wert, würde ich sie auch weiterhin beziehen und gerne dafür bezahlen. Jahrelang hatte ich Die Zeit, den Freitag, GEO und immer wieder verschiedene andere Zeitschriften und Zeitungen im Abo. Letztendlich muss ich sagen, sie sind ihr Geld nicht wert! Klar, das ist eine Aussagen, die ich jetzt treffe, angesichts der Alternativen und Vielfalt die sich im Internet bietet. Aber das ist nunmal die Situation an der sich auch kommerzielle Anbieter heute orientieren müssen.
Medien, Nachrichten, Bildung, dass sind Güter die meiner Meinung nach (und das ist das ideologische dabei) barrierefrei, ohne Schranken für jeden Menschen frei verfügbar sein sollten. Jeder soll unabhängig von wirtschaftlicher Kapazität am kulturellen, politischen Leben teilhaben können. Zeitungsartikel soll jede und jeder lesen können. Hinterher kann man entscheiden ob das Gelesene einen Betrag wert ist oder eben nicht. Flattr macht das ganz einfach. Zeitweise vielleicht etwas knapper bei Kasse, kann man sein Budget etwas runterschrauben und vielleicht nur fünf Euro pro Monat für digitale Medienformate reservieren. Hat man es wieder etwas dicker wird das Budget eben auf 20 Euro erhöht. Ich glaube daran, dass das Modell funktionieren kann, weil ich daran glaube, dass die meisten Menschen den Wert guter Inhalte durchaus anerkennen und bereit sind für guten Dienste auch etwas zu geben. Andere, die grundsätzlich nicht bezahlen wollen, bezahlen auch heute, im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit, für entsprechende Immaterialgüter ohnehin nichts!
Und was die Verteilung angeht. Die Befürchtung, die Zeitungsverleger vielleicht abhält Flattr als Bezahlform überhaupt in Erwägung zu ziehen: Ich meine schon, dass, wenn man es den „Kunden“ erklärt,  es nicht dauerhaft bei den jetzt vielleicht 10 Euro Flattrbudget bleibt, die man heute vielleicht auf einige Blogposts und Podcasts verteilt. Würde man sich darauf einigen, du kannst diese und jene Medien schrankenfrei konsumieren, doch bitte, honoriere am Ende auch was dir gefällt. Ich bin überzeugt, dann würden sehr viele, nach und nach, ihr monatliches Flattrbudget auf 20, 30 vielleicht auch 50 Euro erhöhen. Je nachdem was alles drin ist im Paket. Und andere die einfach nicht die wirtschaftlichen Mittel haben, ob zeitweise oder dauerhaft, wären trotzdem nicht von der Teilhabe ausgeschlossen.
Für mich ein Modell mit Zukunft. Einer Zukunft die sich lohnt. Schrittweise weg von  Marktwirtschaft und Kapitalismus, zumindest in einigen Bereichen. Bei immateriellen Gütern ist das mit der Digitalisierung möglich geworden, bei anderen muss weiter theoretisiert, erprobt und diskutiert werden. Wollen Zeitungsverleger innovativ sein, ist das eine gangbare Richtung. Die derzeit dominierenden Überlegungen sind dagegen reaktionärer (im Wortsinn!) Protektionismus und technologische Rückschritte.

The Most Astounding Fact

Sehr schönes Video. Am Besten direkt bei Vimeo ansehen um die volle Größe zu haben.

Astrophysicist Dr. Neil DeGrasse Tyson was asked in an interview with TIME magazine, „What is the most astounding fact you can share with us about the Universe?“ This is his answer.

via Max Schlickenmeyer

Wer ohne Visionen ist, sollte zum Arzt gehen!

Vorhin beim Hören eines Vortrags-Podcast und der anschließenden Diskussion zum Thema Freiheit ging es auch um das Thema Utopie einer besseren, einer kommenden Gesellschaft. Wie realistisch ist es darauf zu hoffen, darüber nachzudenken und dafür aktiv zu sein. Dabei kam ich dann doch zu dem Entschluss nun endlich mal den Blogbeitrag zu verfassen der mir schon eine ganze Weile im Magen herumliegt.

Wie ist das eigentlich mit dem Utopischen, mit dem Nachdenken über eine kommende Gesellschaft, das ein bisschen weiter geht als das was sich viele vorstellen können oder wollen weil sie dann doch in den Ideologien der derzeitigen Paradigmen festsitzen.

Einige konkrete Themen die derzeit im Netz und mittlerweile auch außerhalb – dort leider mit geringem Verständnis oder zumindest mit vielen Falschbehauptungen über die angeblichen „Netzpositionen“ – diskutiert werden betreffen genau das: den Entwurf einer zukünftigen Gesellschaft. Zum Beispiel das Thema Urheberrecht. In den letzten Tagen wieder ganz weit oben was Twitter und Blogbeiträge angeht. Wieder mal wurde eine Unterschriftenliste präsentiert, diesmal von Schriftstellern (zumindest überwiegend, soweit ich das gesehen habe) der Offline-Generation. Wir sind die Urheber (ihr also nicht!) hieß es. Und wir wollen daher auch sagen wo es lang geht mit dem Urheberrecht, war der offensichtlich Impetus der Aktion. Prompt kam die Antwort (oder auch hier), nämlich von vielen im Netz publizierenden, nicht minder relevanten Urhebern, die in der Zeit-Aktion einfach ignoriert wurden.

Michael Seemann (@mspro) forderte kürzlich auf Spiegel Online etwas provokant „Schafft das Urheberrecht ab!“. Was steckt da drin? Michael Seemann wird wohl wissen, dass das nicht heute, nicht morgen und auch nicht übermorgen geschehen wird. Es ging auch eher um eine wenn-dann Positionierung: Wenn es um die Frage des freien Internets geht, was ist wichtiger? Da muss man dann wohl wirklich sagen, der Erhalt eines freien Netzes ist systemrelevanter als ein überkommenes Urheberrecht und sein durch Restriktionen erkämpfter Erhalt.

Im Grunde geht es dabei auch um anderes. Um langfristige Perspektiven einer Gesellschaft, die vielleicht irgendwann gar kein Urheberrecht mehr braucht. Und vielleicht sogar erkennt, dass es die kulturelle Vielfalt nicht zerstört sondern sogar bereichern und beschleunigen kann.

Vorerst wird man das Urheberrecht ohnehin nicht abschaffen. Demokratie (zumal die parlamentarische) läuft sehr langsam und nicht revolutionär. Viele wollen bewahren, fürchten um ihre Goldgruben. Aufregung ist daher nicht geboten. Diese Energie sollte lieber in neue Konzepte gesteckt werden. Ansätze sind da. Kulturwertmark, Flattr, neue Bezahlsysteme, die nicht nach der Logik: Dies ist mein Preis, zahl oder geh! funktionieren, wurden bereits geschaffen. Und von vielen wieder für tot erklärt! Sogar von Netzmenschen. Journalist Wolfgang Michal, der auch bei Carta.info publiziert hat es z.B. in irgendeinem zurückliegenden DRadio Wissen OnlineTalk (oder war’s doch woanders, find den richtigen Beitrag grad nicht? DRadio Wissen, ein längerer Diskussionstalk, soviel ist sicher!) gesagt. @Frau_Elise kam auch mit den Tweets: Flattr ist Utopie, das nutzt kaum einer. und Das ist leider völlig naiv und weltfremd. ums Eck. Nun, ist es natürlich nicht. Weder das Eine, noch das Andere. Das Letzte, weltfremd? Nun ja, vielleicht. Vielleicht aber nur dann, wenn die Bremser und tief unten im Ideologiepelz sitzenden Menschen sich immer weiter durchsetzen können. Gut möglich, dass Flattr und ähnlich geartete Systeme sich nicht durchsetzen, keinen Erfolg haben werden und am Ende doch nichts anderes als Utopie bleiben. Das liegt dann aber nicht an den Diensten und Konzepten die schlecht oder ungeeignet zur Lösung der Urheberrechtsfragen und dem Fortschreiten der menschlichen Gesellschaft wären. Es liegt vielmehr zum einen an einer starken Lobby die den wirtschaftlichen Status quo erhalten will, weil das ihrer Gruppe Riesenprofite einbringt. Und dann auch an einer großen Masse von Menschen, die eben nicht an Übermorgen denken können und wollen und nicht bereit oder mutig genug sind neue Konzepte zu erproben, zu propagieren und an deren Verbreitung aktiv mitzuwirken. Die Welt ist genau die Welt, die wir uns machen. Wenn genügend Menschen aktiv werden, neue Konzepte entwickeln und nutzen, diese bevorzugen und bewerben, dann funktionieren sie auch und etablieren sich. Es ist eben doch nicht immer so, wie es oft heißt: Das beste System, das beste Konzept wird sich am Ende durchsetzen. Schöner Gedanke, steckt ein bisschen  Sozial- und Wirtschaftsdarwinismus drin. Und ist ziemlich grundlegend falsch!

Vielmehr, als jetzt zu behaupten, Flattr (der Dienst steht hier übrigens nur exemplarisch für neue Konzepte des Bezahlens) sei bereits tot oder schon immer nur Utopie, wäre es doch eine Illusion sich vorzustellen, innerhalb der jetzt ziemlich genau zwei Jahre seit der Gründung hätte Flattr schon ein weit verbreitetes und etabliertes System werden können. Zumal, wenn der Dienst, außer im netzaffinen Spektrum weitgehend ignoriert wird. Zwar haben ein paar Zeitungen (z.B. die TAZ) ihre Onlineartikel mit Flattr-Button versehen, aber wirklich aktiv beworben und außerhalb des Netzes diskutiert wurde der Dienst nicht. Nur weil da ein weiterer bunter Button unter einem Artikel klebt, klicken da nicht Hinz und Kunz drauf, die mal zum Zeitung lesen ins Netz gehen, ansonsten die Entwicklungen aber nicht wirklich parat haben. Zudem leben wir in einer gesellschaftlich so tief verankerten, dass sie schon gar nicht mehr als solche erkannt und benannt wird, ökonomischen Ideologie des Marktes, der angeblichen Preisgestaltung über Angebot und Nachfrage, dass diese, obzwar in Reinform, schon längst als Nonsens erkannt, immer noch als ökonomisches Naturgesetz gehandelt wird.

Sowas sind Dinge die sehr langsam vonstatten gehen. Die Vorstellung, dass etwas keinen festen Preis, aber trotzdem einen Wert hat und daher freiwillig dafür bezahlt wird, ist etwas das über relativ lange Zeiträume, vielleicht eine Generation, im Bewusstsein wachsen muss. Sicherlich, schon immer wird für bestimmte Dinge gespendet und es gibt Bereiche, wie etwas die OpenSource-Software Bewegung und in Ansätzen vielleicht auch CreativeCommons-Musik (hier sind die Spenden allerdings bisher auch extrem gering). Aber das sind dann auch ganz bestimmt Gruppen, die wohl auch zu den ersten gehörten, die Flattr (wobei es gerade in OpenSource-Kreisen auch größere Vorbehalte diesem konkreten Dienst gegenüber gibt) nutzen und gerne freiwillig zahlen. Bei herkömmlichen Spenden sieht es wieder anders aus. Der Großteil davon entspringt steuerlichen Überlegungen und der Imagepflege von Unternehmen im Zuge der Corporate-Identity-Pflege. Private Spenden werden ebenso steuerlich begünstigt und es lässt sich damit das Gefühl des Gutmenschentum erkaufen. Was alles nicht schlecht sein muss, nur sind die Beweggründe hier eben noch lange nicht die, die ein gesellschaftlicher Wandel der Bezahlmentalität bedarf. Aber als Vision weitergedacht: Ich denke die Menschen erkennen der Wert der Kultur, der Medien, Musik, Literatur, der Zeitungen und Zeitschriften, Bildung und vielem mehr. Auch dann wenn es vielleicht keinen festen Preis hat. Das steigert sogar insgesamt den Wert. Dann ist es nicht mehr vom Geldbeutel des Einzelnen abhängig, ob Teilhabe am kulturellen, politischen Leben möglich ist oder nicht. Hat man zeitweise wenig Geld, als Student beispielsweise oder temporärer Arbeitslosigkeit wie sie in Zukunft wohl in fast allen Gesellschaftsschichten immer wieder zum Alltag gehören wird, bezahlt man eben wenig oder manchmal auch gar nicht. Trotzdem konsumiert man Zeitungen, liest Bücher, bekommt also mit was passiert, erweitert den eigenen Horizont. Später, wenn ausreichend Geld zur Verfügung steht, zahlt man wieder, dann vielleicht auch gerne mal ein bisschen mehr. Klar, man kann auch jetzt schon nahezu umsonst Bücher und Zeitungen lesen, indem man Bibliotheken besucht und denn bisher noch weitgehend freien Content im Netz nutzt. Aber wenn diese Freiheit zum Ideal der Gesellschaft wird, die bewusste Entscheidung zu freier Kultur, zu freien Medien, dann wandet sich langsam der Bezug dazu. Und der muss eben nicht, soweit ist mein, vielleicht weltfremdes Menschenbild überzeugt, ein Bezug der Gratiskultur oder Umsonstmentalität sein, sondern gerade weil es frei verfügbar ist, wird der intrinsische Wert noch weit mehr anerkannt, als es das heutige System fester Preise erreicht. Ein Preis heute ist für die meisten Menschen doch eher eine Last. Man muss ihn eben zahlen um das Ding zu erhalten. Dafür vergleicht und sucht man dann auch gerne ein bisschen die günstigste Alternative, wägt Vor- und Nachteile ab um am Ende das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu erzielen. Davon würden wir, daran glaube ich, bei konsequenter Unterstützung neuer, alternativer Zahlungsmodelle, irgendwann wegkommen.

Plädoyer des Ganzen also: Ein bisschen mehr Weitsicht. Ein bisschen raus aus dem was in den Massenmedien als Quasi-Gesetz verkauft wird. Nicht nur im Schema der heutigen Ökonomie und der eher mäßig realisierten Demokratie denken. Da ist noch einiges möglich! Das Ende der Geschichte wurde nicht erreicht! Es wird auch nie erreicht, solange es noch Menschen gibt. Demokratie ist super, aber auch sie ist noch lange nicht bis ans Ende verwirklicht. Wer also ganz ohne Visionen ist, der oder die sollte wirklich zum Arzt gehen.

Eine (nachhaltige) energetische Zukunft!

Quelle: Wikimedia Commons

Bei all der ideologie- und lobbyismusgetragenen Propaganda, sowie dem sonstigen Blödsinn, von dem wir sowohl von unseren Regierungen wie auch von privaten Interessengruppen immerzu malträtiert werden, ist es doch schön, die Richtigkeit des eigenen Denkens hin und wieder bestätigt zu wissen. Oft genug wird beim gedanklichen Abweichen vom Mainstream und dem Nachdenken über den herrschenden Status quo hinaus, Utopie und ähnliches unterstellt.

Anlass ist diesmal die heute gehörte Folge des Raumzeit-Podcastes der von ESA und DLR zusammen mit Tim Pritlove produziert wird. Die Folge 33 mit Franz Trieb vom DLR-Institut für technische Thermodynamik widmete sich dem Thema Energie der Zukunft. Vor allem das, was relativ am Ende des Podcasts im Zusammenhang mit der seit ein paar Jahren unter dem Label Desertec bekannten Pläne besprochen wurde, trifft so ziemlich genau das, worüber ich selbst, seitdem das Thema durch die Medien geistert, intensiv nachgedacht habe. Ein Thema, das mich als Geograph natürlich, neben dem generellen Interesse am Raumzeit-Podcast, zusätzlich interessiert. Nachhaltigkeit ist schließlich ein wichtiger Begriff in der Geographie, auch wenn ich selbst ihm schon längst überdrüssig wurde, da er schon längst zur völligen leeren Marketingphrase wurde. Weshalb er im Titel auch nur in Klammern zu ertragen ist!

Ich gebe zu, anfangs tat ich mich etwas schwer, die Pläne solcher Großinititativen zu begrüßen. Generell mehr ein Freund kleinerer Netzwerke und reginoaler Projekte, schien mir an den erneuerbaren Energien bisher immer deren Dezentralität und eine gewisse aufkommende Unabhängigkeit von großen Energiekonzernen als ein sehr sympathischer Nebeneffekt. Doch schnell, nach einiger Beschäftigung mit dem Thema, sah ich ein, dass allein kleine Initiativen die kommenden Energiefragen niemals lösen. Es muss also eine Vernetzung verschiedenster Infrastrukturmaßnahmen zusammenkommen. Offshore-Windparks in der Nordsee werden schließlich auch nicht von kleinen privaten Gruppierungen und Kommunen getragen, sondern von den bekannten Energieriesen, die auch nach dem fossilen Zeitalter ihre Goldgrube nicht einfach verlassen wollen.

Was sind jetzt also die Punkte, die mir im Podcast auffielen und die mir auch selbst schon lange als Gedanken und Ideen im Kopf waren? Zum einen sind es die möglichen Gewinne die nicht nur Europa sondern auch die afrikanischen und arabischen Länder dadurch haben können. Stromenergie wird ganz sicher einer der wichtigsten „Rohstoffe“ der Menschheit bleiben. Auch wenn überall von Einsparungen (z.B. in der Gebäudetechnik) die Rede ist, der Gesamtbedarf wird nichts desto trotz weiterhin steigen. So bieten solarthermische Kraftwerke in den Ländern Nordafrikas nicht nur eine Energiequelle für Europa und eine mögliche Landnutzung für dieses bisher kaum nutzbare Gebiet. Sie können auch dazu beitragen einige der aufziehenden Probleme dieser Region selbst zu lösen. Wasserknappheit und Desertifikation sind sowohl in Südeuropa als auch in den Randbereichen der Sahara zunehmende Probleme. Wenn nun ökologisch verträglich große Mengen Energie produziert werden, kann nicht nur die Stromversorgung der Region auch nach dem Öl gesichert bleiben und den Ländern damit Einkünfte verschaffen, sondern klimaneutrale Entsalzungsanlagen und Landbewässerung kann dafür sorgen, auch die landwirtschaftliche Situation wesentlich zu verbessern.

Wie auch Franz Trieb glaube ich fest daran, dass diese Projekte nicht nur einen ökonomischen Nutzen für die afrikanischen Länder haben, sondern auch politisch und sozial zur Stabilisierung und zum gesellschaftlichen Wandel beitragen können, der durch die „arabische Revolution“ 2011 bereits seinen Anfang nahm.

Dank der Onlineauftritte rechtfertigen sich Gebühren erst!

In einem interessanten Artikel (Es geht erstaunlich gut) der insgesamt lesenswerten Serie Wozu noch Journalismus der Süddeutschen Zeitung schreibt Wolfgang Blau über den Online-Auftritt öffentlich-rechtlicher Nachrichtenportale folgendes:

„Der Skandal öffentlich-rechtlicher Nachrichtensites ist nicht ihre Existenz, sondern ihre unnötige und verwirrende Vielzahl. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, weshalb die ARD ihre föderale Struktur im Netz noch einmal nachbauen muss und weshalb Deutschland eine solche unüberschaubare Vielfalt überregionaler, gebührenfinanzierter Nachrichtenportale braucht. Vielleicht wären die Verlage besser beraten, für eine Beschränkung der Öffentlich-Rechtlichen auf nur zwei, sehr leistungsfähige Nachrichtensites zu kämpfen – tagesschau.de und heute.de – und gleichzeitig Dienstleistungen der öffentlich-rechtlichen Sender für ihre eigenen Websites einzufordern.“

Dieser Auffassung möchte ich, natürlich aus eher subjektiver Sicht, etwas entgegenhalten. Jahrelang habe ich mich als GEZ-Zahler völlig ungerechtfertigt zum zahlen genötigt gefühlt. Natürlich war ich im Besitz eines Radioempfängers und ein Fernseher stand in unserer Wohnung auch irgendwo herum, wenn es auch nicht meiner war. Die Zeit, die ich diese Medien nutzte war aber keineswegs ausreichend um die Höhe der GEZ-Gebühren auch nur ansatzweise zu rechtfertigen. Erst mit den Online-Angeboten, vor allem auch denen der föderalen  Struktur des ARD und der Dritten Programme kam es dazu, dass ich meine Radiogebühren als sinnvolle Investition betrachte und gerne die paar Euros im Monat überweise.

Kein privatwirtschaftliches Nachrichten- oder Radioportal hat es bisher geschafft ein annähernd ähnlich gutes Angebot an Audio- und Videopodcasts, wobei mich persönlich dabei im wesentlichen die Audiobeiträge interessieren, zur Verfügung zu stellen. Darin sehe ich die eigentlich Zukunft und Aufgabe öffentlich-rechtlicher Radiostationen: politische, gesellschaftlich-kulturelle, ökonomische und wissenschaftliche Bildung und Information im zeitsouveränen Angebot in ausreichender Breite zur Verfügung zu stellen! Hierfür bieten öffentlich-rechtliche Anbieter noch immer die mit Abstand besten Bedingungen, da nur so hochwertige Beiträge für geringe Nutzungskosten einer Gesamtbevölkerung unabhängig von deren jeweiliger finanziellen Verfassung, zur Verfügung gestellt werden können. Dass bisher kaum privatwirtschaftliche Anbieter in diesen Markt vordringen mag auch daran liegen, dass Podcasting insgesamt leider noch viel zu wenig Aufmerksamkeit erfährt und damit die Nutzerzahlen nur recht langsam wachsen. Ein anderer wichtiger Grund ist jedoch auch, dass solche Angebote bei gleicher Qualität wahrscheinlich viel zu teuer wären, um jederfrau und jedermann uneingeschränkt verfügbar zu sein.

Ob gebühren-finanzierte Radio- und Fernsehstationen neben den audiovisuellen Angeboten auch noch ausführliche online-Printplattformen bedienen müssen, und dadurch als zusätzliche Konkurrenz am schwierigen Onlinemarkt mitmischen, ist sicherlich eine andere Frage auf die andere Antworten gesucht werden müssen. Was das angeht, folge ich Wolfgang Blau durchaus wieder dem, was er im darauf folgenden schreibt: Die Frage danach, warum öffentlich-rechtliche Anbieter ihre Angebote nicht zur kostenlosen Weiterverwendung den Privaten zur Verfügung stellen. Zu diesem Aspekt wurde bereits auf KOOPTECH gebloggt.

Da ich jedoch überzeugt davon bin, dass sowohl Ton- als auch Bewegtbild-Beiträge in Zukunft immer mehr zeitlich und geographisch souverän und nicht wie früher nach festen Terminen und auf bestimmte Regionen beschränkt abgefragt werden, bieten die öffentlich-rechtlichen Anbieter bisher, abgesehen von einigen CreativeCommons- bzw. Nonprofit-Angeboten, die einzig vernünftigen und qualitativ hochwertigen Programme.

Kommentar zum Journalismus vs. Blogosphären Diskurs

In den letzten Tagen habe ich an verschiedenen Stellen über die gegenseitigen Vorwürfe von Journalisten und BloggerInnen sowie der Abmahnung durch die Journalistin Eva C. Schweitzer gegen einen Blogger wegen eines etwas längeren Zitats auf dem Blog nomnomnom gelesen. Dazu wurde mittlerweile eigentlich auch genug gestritten, gebloggt und gesagt. Ein paar Links, die einen Einblick in die Debatte bieten, werde ich am Ende meines Kommentar setzen. Trotzdem will ich auch meine persönliche Meinung zu diesen Angelegenheiten kundtun, da ich schon seit längerem immer wieder verärgert und überrascht über den unkundigen Umgang klassischer (Medien-)unternehmen mit dem Medium Internet bin.

Schon öfters haben Abmahnungen wegen verschiedener (angeblicher) Urheberrechtsverletzungen dazu geführt, dass Privatpersonen plötzlich von erheblichen finanziellen Forderungen überrascht wurden. Diese Praxis von Unternehmen, die sich solche Rechtstreitigkeiten ohne Weiteres leisten können, scheint mir vor allem dem Ziel der Abschreckung und Einschüchterung zu dienen. Möglicherweise mögen die Forderungen aus rechtlicher Sicht teilweise legitim sein, ethisch moralisch sind sie es in den seltensten Fällen. Medienhäuser und Unternehmen bedienen sich einer Praxis, die sonst deren Umgang untereinander prägte völlig gedankenlos (oder auch in berechnender Absicht) gegen Privatpersonen.

Die meisten Blogs dienen keinem kommerziellen Zweck, sondern sind eine wunderbare Möglichkeit in gewissem Umfang am öffentlichen, demokratischen Diskurs teilzunehmen. Ohne große technische Kenntnisse und Programmiererfahrungen kann Jede und Jeder seine Gedanken, Meinungen und Beiträge einer potentiellen Gesamtöffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dies sollte in demokratischen Ländern, die Aufklärung und Bildung als Grundmaxime für sich postulieren auf uneingeschränkte Unterstützung stoßen. Auch und vor allem von Journalisten die sich im Dienst dieser Aufklärung und als so genannte „Vierte Gewalt“ betrachten, sollten diese Möglichkeiten der Öffentlichkeit nicht Abwehr sondern Zuspruch erfahren. Dass es oft mehr auf Abwehr stößt ist eigentlich nur aus einem Gefühl der Bedrohung des eigenen Standes zu erklären. Aus Angst um die eigene Aufmerksamkeit und vielleicht aus realer Bedrohung des Arbeitsplatzes und zunehmend prekärer Vergütung für eine anspruchsvolle und äußerst wichtige Dienstleistung. Dieses Gefühl ist verständlich, richtet sich in seiner Abwehr jedoch an die falsche Adresse!

Das Problem der klassischen Medien im Internet ist ein vorwiegend selbst gemachtes. Schon seit Jahren wird von netzkompetenten Stimmen die bessere Nutzung der Möglichkeiten von Hypertext angemahnt. Blogs nutzen Verlinkungen ausgiebig und in alle Richtungen, ob kritisch, ergänzend oder zustimmend. Auch das Heise-Nachrichtenportal Telepolis macht die richtige Verwendung von Links seit langem vor. Wieso nutzen nicht auch klassische Printmedien Links zu anderen Zwecken als zu unendlichen Selbstverlinkungen, unnötigen Bilderstrecken und im Extrem sogar zu Satzstücken die durch Clicks fortgesetzt werden? Na ja, wieso sie das tun ist klar! Clicks werden gezählt, daran misst sich der Markt- und damit Werbewert. Da Werbung im Onlinemarkt für Medienunternehmen bisher das einzige Mittel ist um wenigsten ein bisschen Kapital aus dem eigenen Content zu schlagen, wird alles getan um möglichst viele Clicks zu erhalten und gleichzeitig Clicks bei der Konkurrenz zu verhindern. Dieser Schuss geht jedoch gehörig nach hinten los. Ich stelle hier einmal die nicht überprüfte These auf, dass der Niedergang bzw. die Probleme klassischer Medien im Internet (und damit auch im Printmarkt) zu einem gewissen Teil auch durch diesen falschen Umgang mit dem Medium verursacht wurde.

Eine andere These ist, dass vielleicht das bloße zählen von Clicks zur Berechnung des Werbewertes vielleicht eine grundlegend falsche Strategie ist! Sind nicht wesentlich aussagekräftiger die Links, die von anderer Stelle auf Inhalte verweisen? Nur so kommen neue Websurfer auf bestimmt Portale und diese sind doch für Werbemittel von besonderer Bedeutung. Wäre dies Praxis, wäre damit auch jeder Link, jedes Zitat auf einem Blog oder an anderer Stelle ein realer Marktwert und müsste nicht mit peinlichen Abmahnungen quittiert werden.

Daher sollten sich Journalisten, die sich in ihrer beruflichen und gesellschaftlichen Stellung bedroht fühlen oder es vielleicht sogar real sind, vielmehr in ihren Medienhäusern dafür einsetzen, dass der Umgang mit Links endlich kompetent gehandhabt wird. Es soll verlinkt werden, und zwar kreuz und quer. Auf eigene, konkurrierende und nicht-kommerzielle Quellen. Nutzt die wunderbaren und kostenlosen Inhalte von Wikipedia und anderen Quellen um eure Inhalte mit zusätzlichem Wissen zu füllen und den Lesern vertiefendes Material anzubieten.

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Links zum Thema:
taz-Blog von Eva C. Schweitzer Insbesondere die Beiträge „Empire Strikes Back“ und „A New Hope“
Spreeblick
Freischreiber – Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten
F!XMBR
Streifzugs Blog auf Freitag

Rette deine Freiheit!


Eine sehr schöne Antiwerbung für die CDU/CSU und deren derzeitige Sicherheitspolitik in Bezug auf das Internet und Schäubles Plänen zur Terrorabwehr hat Alexander Lehmann mit diesem Video geliefert. Satire, aber leider auch schon viel zu wahr! Auf der Projektseite kann das Video in verschiedenen Qualiäten heruntergeladen werden. Außerdem finden sich zu den angesprochenen Punkten Erklärungen auf welche Gesetze und Gesetzesvorschläge diese sich jeweils beziehen (mit weiterführenden Links). Sehr hilfreich um einen Überblick zu bekommen.

Wenn das nicht ausreicht all jenen die halbwegs an den freiheitlichen Aspekten der Demokratie interessiert sind, die CDU als mögliche Wahlentscheidung ein für allemal zu verbieten, ist wohl nicht mehr zu helfen.

Und weil’s so gut zum Thema passt, sei an dieser Stelle allen das neue Buch von Ilija Trojanow und Juli Zeh „empfohlen“ (weil ich’s selbst auch erst noch lesen muss): Angriff auf die Freiheit. Im Deutschandradio wurde das Buch hier sehr ausführlich besprochen (♫♪ Podcast zum hören ♫♪)

Frechheit des Monats

Seit ein paar Tagen lag sie im Flur, heute hab ich sie aus ihrer Folienverpackung befreit und einen ersten Blick hineingeworfen. Was ich sah machte mich einigermaßen sprachlos: Ein ganzes Heft allein aus ehemaligen Artikeln der letzten 60 Jahre! Das Ding kostet als Einzelheft 10,50 Euro!

Schon lange bin ich mir meines Abonnement nicht mehr sicher, doch jetzt ist’s tatsächlich genug! Das ist der Gipfel der Unverschämtheit würde ich sagen. Eine Artikelsammlung zum Jubiläumsjahr, ok, wenn’s sein muss. Langweilig zwar, aber das kennt man ja von dieser Zeitschrift, die mit einer wissenschaftlichen Publikation dann doch eher wenig zu tun hat. Aber wenn dieses Heft, dann doch wohl bitte und gefälligst als kostenloses Gimmick, zusätzlich zur regulär erscheinenden Ausgabe mit aktuellen Artikeln! Alles andere ist absolut inakzeptabel und sollte von den Leserinnen und Lesern auch mit nichts anderem als Protest und am Besten mit der sofortigen Kündigung des Abonnements goutiert werden. Schade drum isses nicht, wie oben erwähnt. Langweilige Inhalte warennicht Ausnahme sondern die Regel!

Naja, ich will jetzt nicht großartig Stimmung gegen die Geographische Rundschau machen. Meinen gerechtfertigten Unmut und den Grund meiner nun folgenden Kündigung will ich aber mitteilen und dies hier, um öffentlich von den doch ziemlich bedenklichen Publikationspraktiken der Westermann-Zeitschrift zu berichten. Nehmt es als Warnung! Wer möchste soll sich jedoch gerne selbst davon überzeugen, reinschauen und reinlesen. Für Geographielehrer mag das Heft was taugen, für wissenschaftliche arbeitend und denkende GeographInnen ist’s meiner Meinung nach ungeeignet. Noch nichtmal ein Einblick wird in aktuelle Forschungsbereiche des Faches geliefert.

Zensurvorhaben der Bundesregierung stoppen!

Seit fünf Tagen läuft nun die Online-Petition auf der Seite des Deutschen Bundestages gegen die geplante Zenur von Internetseiten zum Eindämmung von Kinderpornographie. Mit sehr großem Erfolg! Schon heute morgen wurden die nötigen 50000 Unterzeichnungen erreicht, die nötig sind um eine Anhörung vor dem Petitions-Ausschuss zu erreichen.

Mittlerweile sollte sich Petition zwar bei vielen herumgesprochen haben. Getwittert wird fast pausenlos darüber und auch die größeren Nachrichtenportale wie Spiegel-Online und die Zeit haben das Thema bereits aufgegriffen. Die Blogosphäre, Heise bzw. Telepolis sowieso. Wieso muss also jetzt auch hier noch drüber geschrieben werden?

Nun, es muss nicht! Hab mir auch länger überlegt ob ich jetzt auch noch etwas dazu schriebe. Reicht es nicht die Petition vorgestern unterschrieben zu haben? Doch trotzdem mach ich’s jetzt, denn vielleicht sind auch auf diesem Wege noch ein paar Unterschriften zu bekommen. Außerdem lässt sich anhand der Anzahl, der zum Thema geposteten Blogeinträge noch zusätzlich die Wichtigkeit der Petition messen.

Hier geht es übrigens keineswegs darum, kinderpornographische Netzinhalte zu schützen oder zu verharmlosen. Die sollten selbstverständlich aufgespührt hart geahndet werden. Darüber gibt es keine Diskussion. Ich denke auch kaum eine Unterzeichnerin und kaum ein Unterzeichner der Petition hat so etwas im Sinn. Nur wird seit Monaten von sämtlichen Experten die Nützlichkeit der Internetzensur bezweifelt. Zum einen lassen sich einfach bei der Masse an Inhalten niemals sämtliche Seiten sperren, schneller als gesperrt wird kommen die gleichen Inhalte an anderer Stelle wieder ins Netz. Außerdem sind gesperrte Seiten mit einfachsten Tricks zu umgehen. Statt des Adressnamens einfach nur die Ziffernfolge einer URL eingegeben, schon ist man wieder auf der gesperrten Seite. Das zeigt auch das Unverständnis über die Verfasstheites des Internets, seitens der Gesetzgeber. Ein anderer wichtiger Punkt sind die Auswirkungen die eine solche Zensur für das Internet hätte. Das sind einmal technische und gesellschaftliche. Vor ein paar Wochen hörte ich einen interessanten Podcast des Deutschandradios zum Thema. Hier wurde ein IT-Experte (find das Interview grad nicht, aber hier könnt ihr für die nächsten Wochen noch mal hintergründiges zum Thema hören) befragt, der ebenfalls sagte eine Sperrung sei unsinnig, da sie niemals den gewünschten Erfolg haben würde und außerdem würden bereits einige hundert gesperrte Seiten aufgrund der Struktur des Internets zu erheblichen Geschwindigkeitsverlusten bei der Datenübertragung führen. Wie dies nun genau vonstatten geht weiß ich nicht, bin ja auch kein IT-Experte.

Das andere ist – nicht minder wichtig – ein erheblicher Eingriff in die Freiheit des Internets, welche auf keinen Fall akzeptiert werden darf. Schon hoffen allerhand andere Interessenten auf zukünftige Sperrungen unliebsamer Netzinhalte. Ob es dabei um Copyrightverletzungen der Musik- oder in Zukunft auch der Verlagsbranche geht, oder sonstigen ungern gesehenen Content. Das Tor einer umfassenden Zensierung des Internets wäre mit diesem Gesetz jedenfalls aufgestoßen. War nicht die Freiheit des Internet noch bis vor kurzem eines der demokratischen Ideale der westlichen Welt. Hört man nicht mehr den Aufschrei und die – sich jetzt als scheinheilig offenbarende – Diskussion um Googles freiwillige Zensur beim Antritt in China?

Deswegen um es endlich auf den Punkt zu bringen: Wer’s noch nicht getan hat, unterschreibt! Hier noch einmal der Link. Auf dem Blog MOGiS (hier auch eine nette Grafik um den Petitions-Fortschritt zu verfolgen) könnt ihr lesen wieso es wichtig ist noch mindest das dreifach an Unterschriften zu bekommen. Oder ist das Thema vielleicht nicht wichtiger als alberne Interessen der Autofahrlobby, die immer noch nicht verstanden hat, dass endlich eine neue Ära der Mobilität anbrechen muss.

Ehrlich gesagt ist es nicht so, dass ich großartig an den Erfolg solcher Online-Petitionen glaube. Unzählige Kritiker wurden in den letzten Monaten nicht gehört. Aber, und das ist das entscheidende: Die Medien und ein großer Teil der Bürger und Bürgerinnen werden auf diese Weise erneut auf das Thema aufmerksam gemacht. Vielleicht führt es doch dazu, wenn am Ende hunderttausende diese Petition unterschrieben haben, dass ein paar Gesetzgeber noch einmal über die bereits vielfach vorgetragenen Kritikpunkte nachdenken und sinnvollere Maßnahmen gegen Kinderpronographie im Internetin die Wege leiten als dieses Gesetz.

Der neue Freitag

Die vielleicht einst beste Wochenzeitung des deutschsprachigen Printmediengetümmels wurde mit der letztwöchigen Ausgabe einer bereits angekündigten Komplettsanierung unterzogen. Angekündigt war das Ganze schon länger. Seitdem Jakob Augstein das leider sehr auflagenschwache Blatt im Mai übernommen hatte, stand dieser Schritt im Raum. Einhergehend mit der überarbeiteten Printausgabe ist auch die Webseite komplett neu aufgelegt worden. Erklärtes Ziel ist insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Leserschaft und der Internet-Community. Der Untertitel des Blattes wurde daher auch von „Ost-West Wochenzeitung“ in „Das Meinungsmedium“ umbenannt.

Lange war ich treuer Leser des Freitag. Zuletzt jedoch nichtmehr Abonnent sondern lediglich Online-Leser des epaper-Angebots, da schon seit ca. 2 Jahren ein Qualitätsverlust der Inhalte zu erkennen war. Zumindest nach meinem persönlichen Geschmack.  Der Freitag als komplettes pdf-epaper war einmalig in der deutschen Medienlandschaft. War? Ja, denn mit der Überarbeitung wurde auch dieses wunderbare Geschenk an die Leser über Bord geworfen. Schade, war doch gerade dies ein entscheidender Grund für mich den Freitag zu abonnieren.

In den Kommentaren zur Neuauflage überwiegen in der neuen Community bei weitem die kritischen und enttäuschten Stimmen gegenüber jenen die das neue Angebot als gelungen empfinden. Auch ich gehöre durchaus zu den Kritikern und habe damit ein eher pessimistisches Gefühl was die Zukunft der Zeitung angeht. Das muss ich ehrlicherweise zugeben. Ich hoffe allerdings das es anders läuft und der Freitag nicht bei dem stehenbleibt was jetzt ist, dass die Zeitung ein langfristiges finanzielles Auskommen findet und ihre journalistische Qualität wieder dorthin findet, wo sie vor einigen Jahren war. Damals leider von der Öffentlichkeit viel zu wenig erkannt, wie ich finde.

All dies kann aber nur geschehen, wenn der Freitag nicht einfach andere Printmedien in Layout und Inhalten kopiert und diesen nacheifert. Dafür ist kaum ausreichend Platz. Der erste neue Schritt war jedoch leider einer in diese Richtung des Mainstreams. Auch wenn von der Redaktion natürlich gegenteiliges behauptet wird. Der Online-Auftritt unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von zig anderen Portalen.

An all die Leser und Nichtleser dieses Blogs: Lest den neuen Freitag, lest ihn kritisch und kommentiert ihn in der Online-Community. Darauf, dass er nicht untergeht – es wäre tatsächlich ein großer Verlust! – und darauf, dass er seine alte Qualität wieder erreichen kann und überbietet! Hier gibt es das dreiwöchige, kostenlose Probeabo. Schließlich muss der Freitag zunächst einmal beweisen, dass er die Unterstützung auch verdient.

Alles Gute dem Freitag, auf ein Gelingen ohne den Verlust der eigenen Identität! Ein kleiner Tipp, der von vielen Lesern und Leserinnen sicherlich belohnt würde: Nehmt das epaper wieder ins Programm. Da ihr ohnehin auf das Internet als quasi gleichwertigem Verbeitungskanal setzt, werden ohnehin die meisten Artikel online erscheinen. Den Freitag auch als PDF-File zu haben war immer eine tolle Sache. Auch für Menschen, die sich ein regelmäßiges Abonnement vielleicht nicht leisten können. Wie wäre es beispielsweise, wenn der epaper-Freitag nicht, wie bisher, sofort mit der Printausgabe erscheint, sondern vielleicht erst am darauffolgenden Mittwoch. Also einen Tag vor dem Erscheinen der neuen Ausgabe.

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