Religionen im deutschen Schulsystem

von nunatak

Übers Wochenende war ich unterwegs, zuhause in der Heimat. Sowohl auf der Hin- als auf der Rückfahrt, als ich da so halb dösend, halb lauschend auf dem Rücksitz einer Mitfahrgelegenheit saß, kam jeweils ein Radiobeitrag zum Umgang mit dem Islam im deutschen Schulsystem. Beides ein alter Hut, doch beides voller Widersprüche und Ungereimtheiten.

Die erste Meldung, es war auf WDR 2 oder 3, am letzten Freitagvormittag. Es ging um Islamunterricht an deutschen Schulen. Auf der Islamkonferenz, die der Integration und dem Dialog dient, wurde er gefordert und eigentlich soll er auch kommen. Jetzt wurde gesagt, in NRW sei er vorerst nicht möglich, es fehle ein konkreter Ansprechpartner. Somit bleibt es bei bloßer Islamkunde, wie es als Fach schon unterrichtet wird.
An diesem Punkt fange ich dann an zu denken: Prima! Islamkunde ist doch super! So soll es sein. Wieso überhaupt Religionsunterricht? Sollte nicht auch endlich einmal der Schritt gemacht werden, den christlichen Unterricht, der im Gegensatz zur Religionskunde, das Glaubensbekenntnis vermitteln und die Schüler zum Mitglied der Glaubensgemeinschaft erziehen soll, ein für alle mal abzuschaffen? Was bitte hat das im Bildungssystem verloren?

Die Schule soll Menschen zu mündigen, selbstverantwortlich handelnden Menschen erziehen. Die Werkzeuge und Fähigkeiten vermitteln die in dieser Gesellschaft zum erfolgreichen Leben benötigt werden. So zumindest mein Verständnis von schulischer Bildung. Erziehung zum Glauben ist das Privileg der Eltern. Wenn diese unbedingt meinen, ihrem Nachwuchs den eigenen Glauben mitgeben zu müssen, sollen sie das tun. Gerne!

Deswegen: Religionskunde! Und zwar gleichberechtigt und für alle die Kunde aller wesentlichen Religionen. Sicher, im europäischen Raum erscheinen im Alltagsgeschehen die christlichen Religionen sowie der Islam, aber auch das Judentum als die wichtigsten und damit am relevantesten. Aber auch die Kenntnis von Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Konfuzianismus und verschiedene andere Strömungen – auch Sekten – können helfen, sich entwickelnden Menschen eine Basis zur freien Entscheidung zum Glauben oder dagegen, oder einfach nur um der Kenntnis der damit verbundenen kulturellen Verschiedenheiten zu geben.

Solange es aber christlichen Religionsunterricht gibt, muss es, auch wenn es ein Schritt in die falsche Richtung ist, gleichberechtigt auch allen anderen Glaubensgemeinschaften erlaubt sein, diesen in ähnlicher Form für Schüler und Schülerinnen der entsprechenden Religion anzubieten.

Auf der Rückfahrt kam dann auf SWR 3(?) ein Beitrag, der von einer Grundschullehrerin in Baden-Württemberg berichtete, die gegen das Verbot, ein Kopftuch zu tragen, bei der Schulbehörde klagte. Es handelt sich um eine, zum Islam konvertierte Frau, die schon seit Jahren das Kopftuch im Unterricht trug, der es jetzt allerdings verboten wurde.

Im Grunde ist es mir ziemlich egal wie solche Dinge gehandhabt werden. Ich bin damit einverstanden und sehe es auch als berechtigt an, wenn, wie beispielsweise in Frankreich, gesagt wird: Jegliches Tragen religiöser Symbole ist in der Schule verboten. Andererseits empfinde ich es nicht als schädlich, wenn eine muslimische Lehrerin ein Kopftuch, ein Christ dagegen ein Kreuzsymbol trägt. Das kann den Dialog fördern und Toleranz schulen. Kinder in einer Grundschule werden die Lehrerin fragen wieso sie das Tuch trägt und diese kann denen erklären warum es für sie wichtig ist. Solange es jeder einzelnen Lehrkraft selbst überlassen ist, Symbole zu tragen oder eben nicht, sehe ich keine Gefahr durch Beeinflussung gegeben. Es ist schließlich mehr als unwahrscheinlich, dass plötzlich eine ganze Schule in Deutschland nurmehr aus Lehrkräften islamischen Glaubens besteht, so dass diese Homogenität zum Problem werden kann. Diese Gefahr würde nur dann bestehen, wenn es im Interesse der Schule selbst läge, was mit der Glaubensfreiheit des Grundgesetztes allerdings nicht zu vereinbaren wäre. Da stellt doch schon viel mehr das Kreuz das in den meisten bayrischen Klassenräumen hängt eine größere Manipulation dar.

Was mich dann allerdings geärgert hatte, da auch hier wieder ein Widerspruch in der Gleichbehandlung der Religionen deutlich wird, ist die Tatsache, dass das Gericht selbst den Einwand, es würden an irgendeiner Schule in der Gegend auch drei Frauen im Ordensgewand unterrichten, nicht gelten lies. In Wahrheit sind es nicht drei Lehrerinnen im Ordensgewand. An sehr vielen, zumindest süddeutschen, Schulen sind Nonnen in entsprechender Robe eine Alltäglichkeit. Ich selbst ging vor Jahren in Bayern zur Schule und hatte mehrmals das – manchmal auch zweifelhafte – Vergnügen.

Was will ich sagen? Im Grunde dies: Religionsunterweisung raus aus den Schulen! Und bis es soweit ist, wenigstens konsequente Gleichbehandlung aller Glaubensgemeinschaften.

Advertisements