Kapitalismuskritik in der ZEIT

von nunatak

Im Feuilleton Ausgabe 14 der Wochenzeitung Die Zeit, vom 27. 03. hat Thomas Assheuer eine sehr gute und für ein großes deutsches Leitmedium doch eher ungewöhnlich „radikale“ Kritik am Kapitalismus geschrieben. Es kommt vieles zur Sprache, was sonst nur in der sogenannten linken Presse zu lesen ist. Es tut gut und ist wichtig, diese nur allzu berechtigte Kritik endlich einmal in einem Medium finden, in dem sich nicht nur, die ohnehin schon längst kapitalismuskritischen Menschen dieser Gesellschaft austauschen, sondern das vom gesamten Bildungsbürgertum (auch hier wieder das sogenannte!) konsumiert wird. Ob’s was bringt ist eine andere Frage, anzunehmen ist es leider nicht! Zu starr sind die ideologischen Blockaden der meisten, zu engstirnig das Denken der „Eliten“ in diesem und anderen Ländern.

Was mich enttäuscht: Auch Assheuer macht, bei all der Kritik, am Ende des Artikels doch wieder den Schwenk, zurück in die westlich kapitalistische Ideologie und präsentiert damit einen alten Mythos. Zwar nicht, wie andernorts so oft, als naturgegebenes Gesetz, aber doch immerhin als „historisches Zwillingspaar, als glückliche Liaison von Freiheit und Gerechtigkeit“. Es geht um das Zusammengehören von Demokratie und Kapitalismus. Was dabei dann bei Leserin und Leser hängenbleibt, und das durchaus bewusst, ist folgendes: Kapitalismus ist die Wirtschaftsform der Demokratie. Und da wir doch alle demokratische Menschen sind, an individuelle Freiheit und Rechte glauben, bleibt uns auch keine Alternative zur kapitalistischen Ökonomie.

Das die Wirklichkeit eine andere ist, würde schon ein Blick nach Fernost zeigen: China beweist sehr gut, dass Kapitalismus durchaus auch ohne bürgerliche Demokratie zu haben ist. Und wie wäre es dann andersherum? Demokratie ja, Kapitalismus nein. Sicher, richtg ist schon, Kapitalismus beruht auf freiem Markt und die Demokratie auf der Freiheit der Menschen, aber das macht den zwingenden Zusammenhang doch noch lange nicht zum Naturgesetz! Man sieht schließlich deutlich genug, dass ein Übermaß an freiem Markt die menschliche Freiheit mitunter auch ganz schön beengen kann.

Also wäre es nicht an der Zeit, einmal danach zu fragen, ob vielleicht Demokratie auch mit anderer Ökonomie vielleicht sogar einer wesentlich besseren, heißt demokratischeren, Form zu erreichen wäre. Immerhin gehen einige postmarxistische, linke Überlegungen in verschiedene basisdemokratische und ähnliche Richtungen. Aber das sind eben schon wieder nicht die Dinge, die in einem deutschen Leitmedium diskutiert werden und daher vielleicht leider nur unzureichend im öffentlichen Denken bekannt sind.

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