The 11th hour – 5 vor 12

von nunatak

Heute habe ich mir auch einmal Leonardo DiCaprios Umweltblockbuster The 11th hour oder auf deutsch 5 vor 12 angesehen. Erwartet hatte ich eine reißerische Darstellung und Aufmachung des Klimawandels und anderer ökologischer Probleme, das habe ich auch bekommen. Trotzdem hat mir der Film gefallen, so dass ich ihn allen empfehlen kann.

Anders als Al Gore, der mit seinem, mindestens gleichermaßen reißerisch gemachten Film Eine unbequeme Wahrheit, sogar den Friedensnobelpreis kassiert hat, wo er sich darin doch hauptsächlich selbst feiert und das ganz mehr einer Wahlkampfveranstaltung gleicht als einer seriösen Dokumentation, bringt DiCaprio in The 11th hour doch einige Zusammenhänge und Denkanstöße zur Sprache.

Augebaut ist das Ganze, neben vielen erschreckenden Katastrophen- und andererseits überwältigend schönen Landschafts- und Naturaufnahmen, als eine Ansammlung von kurzen Redebeiträgen verschiedener UmweltforscherInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistenInnen und AktivistenInnen.

Am Anfang einige Wahre, jedoch durch esoterischen Missbrauch leider etwas abgetretene, Worte, über das Verhältnis von Mensch und Natur. Dann werden natürlich, um erstmal zu fesseln, einige Aufnahmen verschiedener Naturkatastrophen der letzten Jahre gezeigt, um sie dann als Belege für steigende Erderwärmung und dadurch höhere Katastrophentendenz zu nutzen. Schließlich sprechen ausreichend Argumente für diese Annahme. Dies wird insbesondere mit dem menschlichen Ausstoß von Treibhausgasen und der damit einhergehenden höheren Konzentration in der Atmosphäre erklärt. Soweit, so gut. Sicher kann man hier die Art der Aufmachung kritisieren, dass mit Katastrophen die im einzelnen reichlich wenige mit Klimaveränderungen zu tun haben mögen, die Emotionen der Zuschauen angeheizt werden sollen. Auch, dass die genauen Zusammenhänge Faktoren die eine Klimaerwärmung verursachen nicht vollständig bekannt und zu erklären sind. Da der Film jedoch populärdokumentarisch sein soll und in erster Linie Menschen zum erstmaligen Nachdenken über dieses Thema bewegen will, die an Mediendarstellungen ähnlicher Art gewöhnt sind, finde ich solche Argumente an der Stelle durchaus übertrieben.

Gut gefällt mir vor allem was danach kommt: Hier werden einige weitere Zusammenhänge zwischen Mensch-Umwelt-Interaktionen gezeigt. Beispielsweise die beeinflussenden Wirkungen des Wasserkreislaufes und die Auswirkungen von Waldrodungen, sowohl im Hinblick auf Desertifizierung aber auch die Wälder als Wasserspeicher im grünen und blauen Wasserkreislauf. An dieser Stelle geht der Film deutlich über den vergleichbaren Eine unbequeme Wahrheit hinaus.

Jetzt wird das menschliche Wirtschaften seit der industiellen Revolution unter die Lupe genommen, jenes Wirtschaften also, das maßgeblich auf nicht erneuerbaren fossilen Energieträgern beruht. Es wird der enge Zusammenhang zwischen dieser Energienutzung und der rapide ansteigenden Weltbevölkerung und auch die damit verbundene, auf den Konsum gerichtete Denkweise vorgeführt. Zum Ende hin wird genau diese Denkweise der Wachstumsökonomie thematisiert und als der entscheidende Punkt, an dem, sowohl individuelle als auch gesellschaftlich-politische, Veränderungen möglich und notwendig sind, diagnostiziert. So werden dann auch verschiedene bereits anfänglich realisierte aber auch visionäre Alternativen zur derzeigtigen Ökonomie und Energiewirschaft aufgezeigt. Besonderes Augenmerk hier auf neuen Formen des Designs. Also eine zielgerichtete Nutzung des Fortschritts und der modernen Technik zur nachhaltigen und umweltverträglichen Gestaltung des menschlichen Lebens in und mit der Natur.

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