Emissionshandel für alle?

Nachdem ich nun eine längere Zeit des andauernden Lernstress‘ hinter mir habe und dafür auch durchaus erfreulich belohnt wurde, bin ich gerade dabei angesammelte Zeitungen, Zeitschriften und vielleicht auch mal wieder ein paar Bücher abseits geographischer Lehr- und Fachbücher zu lesen. Und nebenbei, mal sehn was darauf wird, vielleicht auch den einen oder anderen Beitrag hier posten.

Gerade hab ich mir die letztwöchige Zeit (Nummer 42, vom 9. Oktober) geschnappt. In der Rubrik „Wissen“ schreibt der Naturphilosoph und Wissenschaftstheoretiker Olaf L. Müller, wie er sich einen weltweiten CO2-Emissionshandel vorstellen könnte. Im Blick hat er dabei ein System des Zertifikatehandels für jede Einzelperson.

Am Ende kommt er auf die Frage nach der Bürokratie zu sprechen. Nein, sagt er, das Auszahlungssystem würde keinen monströsen Verwaltungsapparat schaffen. Nur ein Fingerabdruck und mal würde seinen gerechten Anteil erhalten. Für’s Bezahlen mag das möglich sein und auch zu Zahlende zur Kasse bitten, da steckt wohl nicht das Problem. Nicht erwähnt bleibt jedoch: Auf welche Weise stellt Müller sich die genaue Erfassung der CO2-Bilanz eines jeden Menschen vor. Wenn da nicht eine riesengroße Bürokratie- und Rechenkrake auf die Menschheit warten soll, wie soll das Ganze funktionieren? Zur genauen Erfassung der individuellen Kosten oder Ansprüche müsste schließlich jede einzelne (Konsum-)handlung eines Menschen kontrolliert und erfasst werden. Das wäre dann der letzte Schritt zum vollständig durchleuchteten Individuum. Jeder Einkauf, jede Reise, alles müsste erfasst und in der persönliche Bilanz verrechnet werden. In Industriestaaten rein theoretisch vielleicht noch ansatzweise möglich, jedoch in eher unwegsamen – ob politisch oder topographisch – Erdregionen, dort wo doch vorwiegend diejenigen leben denen gerechterweise Ansprüche aus diesem Ausgleichhandel zukommen sollten, wird sowas gänzlich unmöglich.  Ob der Theoretiker Müller daran wirklich nicht gedacht hat, oder ob ihm hier dann doch nur die statistische Bewertung individueller Emissionen vorschwebt, würde mich schon interessieren.