Der neue Freitag

von nunatak

Die vielleicht einst beste Wochenzeitung des deutschsprachigen Printmediengetümmels wurde mit der letztwöchigen Ausgabe einer bereits angekündigten Komplettsanierung unterzogen. Angekündigt war das Ganze schon länger. Seitdem Jakob Augstein das leider sehr auflagenschwache Blatt im Mai übernommen hatte, stand dieser Schritt im Raum. Einhergehend mit der überarbeiteten Printausgabe ist auch die Webseite komplett neu aufgelegt worden. Erklärtes Ziel ist insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Leserschaft und der Internet-Community. Der Untertitel des Blattes wurde daher auch von „Ost-West Wochenzeitung“ in „Das Meinungsmedium“ umbenannt.

Lange war ich treuer Leser des Freitag. Zuletzt jedoch nichtmehr Abonnent sondern lediglich Online-Leser des epaper-Angebots, da schon seit ca. 2 Jahren ein Qualitätsverlust der Inhalte zu erkennen war. Zumindest nach meinem persönlichen Geschmack.  Der Freitag als komplettes pdf-epaper war einmalig in der deutschen Medienlandschaft. War? Ja, denn mit der Überarbeitung wurde auch dieses wunderbare Geschenk an die Leser über Bord geworfen. Schade, war doch gerade dies ein entscheidender Grund für mich den Freitag zu abonnieren.

In den Kommentaren zur Neuauflage überwiegen in der neuen Community bei weitem die kritischen und enttäuschten Stimmen gegenüber jenen die das neue Angebot als gelungen empfinden. Auch ich gehöre durchaus zu den Kritikern und habe damit ein eher pessimistisches Gefühl was die Zukunft der Zeitung angeht. Das muss ich ehrlicherweise zugeben. Ich hoffe allerdings das es anders läuft und der Freitag nicht bei dem stehenbleibt was jetzt ist, dass die Zeitung ein langfristiges finanzielles Auskommen findet und ihre journalistische Qualität wieder dorthin findet, wo sie vor einigen Jahren war. Damals leider von der Öffentlichkeit viel zu wenig erkannt, wie ich finde.

All dies kann aber nur geschehen, wenn der Freitag nicht einfach andere Printmedien in Layout und Inhalten kopiert und diesen nacheifert. Dafür ist kaum ausreichend Platz. Der erste neue Schritt war jedoch leider einer in diese Richtung des Mainstreams. Auch wenn von der Redaktion natürlich gegenteiliges behauptet wird. Der Online-Auftritt unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von zig anderen Portalen.

An all die Leser und Nichtleser dieses Blogs: Lest den neuen Freitag, lest ihn kritisch und kommentiert ihn in der Online-Community. Darauf, dass er nicht untergeht – es wäre tatsächlich ein großer Verlust! – und darauf, dass er seine alte Qualität wieder erreichen kann und überbietet! Hier gibt es das dreiwöchige, kostenlose Probeabo. Schließlich muss der Freitag zunächst einmal beweisen, dass er die Unterstützung auch verdient.

Alles Gute dem Freitag, auf ein Gelingen ohne den Verlust der eigenen Identität! Ein kleiner Tipp, der von vielen Lesern und Leserinnen sicherlich belohnt würde: Nehmt das epaper wieder ins Programm. Da ihr ohnehin auf das Internet als quasi gleichwertigem Verbeitungskanal setzt, werden ohnehin die meisten Artikel online erscheinen. Den Freitag auch als PDF-File zu haben war immer eine tolle Sache. Auch für Menschen, die sich ein regelmäßiges Abonnement vielleicht nicht leisten können. Wie wäre es beispielsweise, wenn der epaper-Freitag nicht, wie bisher, sofort mit der Printausgabe erscheint, sondern vielleicht erst am darauffolgenden Mittwoch. Also einen Tag vor dem Erscheinen der neuen Ausgabe.

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