nullmeridian aka nunatak

Hin und wieder schreibe ich hier was.

Kategorie: Energiepolitik

Eine (nachhaltige) energetische Zukunft!

Quelle: Wikimedia Commons

Bei all der ideologie- und lobbyismusgetragenen Propaganda, sowie dem sonstigen Blödsinn, von dem wir sowohl von unseren Regierungen wie auch von privaten Interessengruppen immerzu malträtiert werden, ist es doch schön, die Richtigkeit des eigenen Denkens hin und wieder bestätigt zu wissen. Oft genug wird beim gedanklichen Abweichen vom Mainstream und dem Nachdenken über den herrschenden Status quo hinaus, Utopie und ähnliches unterstellt.

Anlass ist diesmal die heute gehörte Folge des Raumzeit-Podcastes der von ESA und DLR zusammen mit Tim Pritlove produziert wird. Die Folge 33 mit Franz Trieb vom DLR-Institut für technische Thermodynamik widmete sich dem Thema Energie der Zukunft. Vor allem das, was relativ am Ende des Podcasts im Zusammenhang mit der seit ein paar Jahren unter dem Label Desertec bekannten Pläne besprochen wurde, trifft so ziemlich genau das, worüber ich selbst, seitdem das Thema durch die Medien geistert, intensiv nachgedacht habe. Ein Thema, das mich als Geograph natürlich, neben dem generellen Interesse am Raumzeit-Podcast, zusätzlich interessiert. Nachhaltigkeit ist schließlich ein wichtiger Begriff in der Geographie, auch wenn ich selbst ihm schon längst überdrüssig wurde, da er schon längst zur völligen leeren Marketingphrase wurde. Weshalb er im Titel auch nur in Klammern zu ertragen ist!

Ich gebe zu, anfangs tat ich mich etwas schwer, die Pläne solcher Großinititativen zu begrüßen. Generell mehr ein Freund kleinerer Netzwerke und reginoaler Projekte, schien mir an den erneuerbaren Energien bisher immer deren Dezentralität und eine gewisse aufkommende Unabhängigkeit von großen Energiekonzernen als ein sehr sympathischer Nebeneffekt. Doch schnell, nach einiger Beschäftigung mit dem Thema, sah ich ein, dass allein kleine Initiativen die kommenden Energiefragen niemals lösen. Es muss also eine Vernetzung verschiedenster Infrastrukturmaßnahmen zusammenkommen. Offshore-Windparks in der Nordsee werden schließlich auch nicht von kleinen privaten Gruppierungen und Kommunen getragen, sondern von den bekannten Energieriesen, die auch nach dem fossilen Zeitalter ihre Goldgrube nicht einfach verlassen wollen.

Was sind jetzt also die Punkte, die mir im Podcast auffielen und die mir auch selbst schon lange als Gedanken und Ideen im Kopf waren? Zum einen sind es die möglichen Gewinne die nicht nur Europa sondern auch die afrikanischen und arabischen Länder dadurch haben können. Stromenergie wird ganz sicher einer der wichtigsten „Rohstoffe“ der Menschheit bleiben. Auch wenn überall von Einsparungen (z.B. in der Gebäudetechnik) die Rede ist, der Gesamtbedarf wird nichts desto trotz weiterhin steigen. So bieten solarthermische Kraftwerke in den Ländern Nordafrikas nicht nur eine Energiequelle für Europa und eine mögliche Landnutzung für dieses bisher kaum nutzbare Gebiet. Sie können auch dazu beitragen einige der aufziehenden Probleme dieser Region selbst zu lösen. Wasserknappheit und Desertifikation sind sowohl in Südeuropa als auch in den Randbereichen der Sahara zunehmende Probleme. Wenn nun ökologisch verträglich große Mengen Energie produziert werden, kann nicht nur die Stromversorgung der Region auch nach dem Öl gesichert bleiben und den Ländern damit Einkünfte verschaffen, sondern klimaneutrale Entsalzungsanlagen und Landbewässerung kann dafür sorgen, auch die landwirtschaftliche Situation wesentlich zu verbessern.

Wie auch Franz Trieb glaube ich fest daran, dass diese Projekte nicht nur einen ökonomischen Nutzen für die afrikanischen Länder haben, sondern auch politisch und sozial zur Stabilisierung und zum gesellschaftlichen Wandel beitragen können, der durch die „arabische Revolution“ 2011 bereits seinen Anfang nahm.

Advertisements

Umweltprogramme im Novo-Diskurs

Ich hatte kürzlich ja schon mal über die Zeitschrift Novo, die sich seit der aktuellen Ausgabe in neuem Layout, novoargumente nennt, berichtet. Dabei habe ich einerseits meinen Lob zur konsequent kritisch fragenden Grundhaltung, aber was manche Argumentation in Klimabelangen angeht, auch zweifelhafte Haltung angesprochen. Jetzt kam ich mal wieder dazu ein wenig zu schmöckern, und auch hier ändert sich nix. Einerseits Lob, andererseits kann ich manchmal nur den Kopf schütteln.
Berichten will ich hier über zwei Artikel der Ausgabe 93. Einmal von Heinz Horeis, „Small is was beautiful“ – Öko wird Großtechnik, der mir echte Denkanstöße liefern konnte. Dann von Martin Earnshaw, Recycling: Abfallvermeidung oder Zeitverschwendung? in dem die Überschrift und ein paar Sätze wirklich etwas taugen, der Rest sich aber leider in dümmlichen Argumentationen verliert. Aber ich will nicht vorgreifen, immer der Reihe nach.

Heinz Horeis schreibt über den Trugschluss, demnach erneuerbare Energiewirtschaft mit einer Dezentralisierung und damit dem Abschied von monopolistischen Energiekonzernen verbunden sei. Dabei stößt er vieles an, was durchaus zu denken gibt. Ich gebe zu, auch ich war – und bin es zum Teil noch immer – von der Idee erfasst, ein Wechsel der Energieformen, könne auch manch monopolistische Struktur ein wenig lockern. Aber Horeis‘ Argumente stimmen wohl, geplante Großanlagen zur Erzeugung „grüner Energie“ haben mit Dezentralisierung nicht viel zu tun. Und sicher, es sind massive Investitionen nötig, die von altbekannten Akteuren geleistet werden können, ob es jetzt Ölkonzerne oder die großen Stromerzeuger sind. Man will den Rang nicht räumen, und auch wenn denen der Wandel vielleicht nicht so richtig schmeckt: lieber rechtzeitig ein Plätzchen sichern, als hinterher daneben stehn!
Neben den Stromanlagen spricht Horeis noch auf Biotreibstoffe an: Wo hier „Bio“ draufsteht, war noch niemals „Bio“ drin. Wie Recht er hat, doch das ist wahrlich kein Geheimnis! So ist das ganze Gemache mit dem Biodiesel/Biosprit schon lange nichts als politische Propaganda, Umweltaktive bemängeln schon längst: völlig ineffizient und selbst mit erheblichen Umweltproblemen behaftet. Riesige Monokulturen, Abholzung, keine Spur von geschlossenen CO2-Kreisläufen und die de facto Beibehaltung einer auf Erdöl basierenden Wirtschaft. Nur um ein paar der Beispiele zu nennen, die schon lange für Kritik sorgen! Hier klaut also Horeis ein paar Argumente von jenen, gegen deren Blauäugigkeit er doch eigentlich anschreiben will.

Der Autor kommt so insgesamt zu folgendem Schluss: Das ganze Programm sei ineffizient, zu teuer und sowieso: ein Riesenapparat würde dabei entstehen, der viel zu anfällig werde. Europa müsse aus allen peripheren Ecken Energie importieren, wodurch ein riesengroßes Supernetz entstehen würde. Windenergie aus Russland, Sonnenstrom aus der Sahara, Wasser treibt Turbinen in Skandinavien an und Erdwärme aus Islands warmen Böden. Das ganze mit riesigen Energiespeichern und allem drum und dran. Der reinste Wahnsinn! Da bleiben wir doch lieber schön unserer Kernkraft treu. Die ist nicht dreckig, nur sehr gefährlich, dafür altbewährt und spart zudem kostbaren Platz.

Hm….da kommen jetzt wieder die Argumente des Fortschritts ins Spiel. Doch eigentlich das, was sich die Novo aufs Jäckchen schreibt! Ich denke, Horeis hat schon Recht: So einfach dezentralisiert sich das Energiewirtschaften nicht. Andererseits stecken die erneuerbaren Energiegewinnungstechniken noch ziemlich in den Kinderschuhen. Ganz anders als Kernenergie und Petroindustrie! Das heißt, hier sind noch jede Menge Innovationen zu machen, leistungssteigernde Verbesserungen, die auch der Heimstromerzeugung in Zukunft durchaus noch bessere Noten bescheren können. Ich meine zwar auch, in der radikalen Abwehr gegen die Kernkraft steckt auch viel ängstliche Abwehremotion und nicht nur rationale Überlegung, jedoch, das zeigen die Erfahrungen der Geschichte, wohl sicher nicht völlig zu Unrecht. Es gibt durchaus sinnvolleres und dringlicheres im Umweltschutz als den sofortigen Atomausstieg. Beispielsweise radikale Veränderungen im Transportwesen. Weg mit den Kraftfahrzeugen und rein in die Züge. Vorraussetzung: Die Preise radikal senken und der Ausbau sämtlicher Verbindungen. Ja doch, wenn alle Bahn fahren, rechnet sich das auch bei massiv gesenkten Preisen!
Insgesamt bleibt zu sagen, trotz einiger Kritik: Ein guter Artikel, da er zu denken gibt. Weil er mich zwingt einige Vorstellungen, die vielleicht zum Teil Illusionen sind, zu überdenken. Die novoargumente selbst jedoch, so frage ich mich manchmal, werden vielleicht dem selbst gestellten Anspruch der Fortschrittlichkeit allenfalls bedingt gerecht.

Und nun zum zweiten: Martin Earnshaws, Recycling: Abfallvermeidung oder Zeitverschwendung?

Der Anlass zum Schreiben des Textes, war für den britischen Autor Earnshaw, ein nun im Vereinten Königreich eingeführtes Mülltrennungssystem, ähnlich, wie wir es hierzulande mit unserem Dualen System schon seit Jahren kennen. Ich bin schon lange kein Freund mehr dieses Programms. Wieso noch immer daran festgehalten wird ist mir ein schieres Rätsel! Vor langem schon sah ich über besagtes Duale System eine echt gute Reportage, ich glaub es war im Ersten. Nicht nur, dass das Programm die reinste Geldmacherei mit schon fast mafiösen, mindestens jedoch zutiefst „Klüngeligen“ Methoden ist, es ist auch tatsächlich einfach überflüssig und bringt nichts als ein trügerisch gutes Gewissen. Natürlich läuft Trennung in den Haushalten nicht perfekt, so muss sowohl der „gelbe Sack“ als auch der Restmüll später noch einmal maschinell und/oder von Hand sortiert werden. Komplett doppelt gemoppelt also, sonst nix! Teuer, sinnlos und ineffizient, das ist die schlichte Wahrheit des dualen Schwachsinns! Daneben wird den Menschen auch noch vorgegaukelt sie würden sich umweltschonend verhalten wenn sie nur fleißig trennen. Müll sei ja gar nicht mehr so schlimm, schließlich werde alles schön recycelt.

Jetzt fängt es aber auch schon an. Martin Earnshaw steigert sich zur Abwehr dieser Trennerei von einem lächerlichen Argument ins nächste, anscheinend darum kämpfend, sich an Dummheit noch mal zu überbieten! Erstmal übertreibt er maßlos, indem er mehrmals betont was für eine Zumutung es doch für die Bürger sei, stinkende, von Maden und Ratten bevölkerte Biotonnen in Straßen und Höfen stehen zu haben. Stimmt schon, es kommt im Sommer, wenn’s dann mal ein paar Wochen wirklich brutzelt, dann und wann mal vor, dass die Dinger etwas müffeln. Was Earnshaw daraus bastelt ist allerdings doch reichlich peinlich. Der Nutzen der Kompostierung darf bezweifelt werden, Methan das dabei entsteht als Biogas zu verwenden, sei wegen seiner wenig überzeugenden Bilanz zweifelhaft? So Earnshaws Kritik. Was allerdings eine schlechte Bilanz hier sein soll, bei Gasen die aus Müll gemacht werden, oder besser gesagt, bei der Zersetzung auf jeden Fall und ganz von allein entstehen, nur auf andere Weise eben als Treibhausgas mit 20facher CO2-Wirkung in die Atmosphäre gingen, ist schon etwas fraglich. Dann heißt’s, es gehe bei der „zero waste“-Kampagne eigentlich gar nicht nur um die Trennung, sondern um eine Erziehung zum veränderten Umgang mit dem Konsum. Aha! Dies die Kritik. Ja, wenn es denn nur so wäre! Ist dies nicht das entscheidende und tatsächlich wichtige Ziel jeder Maßnahme zum Umwelt- oder Klimaschutz? Eine Veränderung des Konsumverhaltens. Jo, genau das ist notwendig für effektiven Umweltschutz! Für Earnshaw ist dieses angebliche Anliegen des britischen Umweltministeriums jedoch Anlass zur Kritik. Übrigens, darf durchaus bezweifelt werden, dass den britischen Ministerien, wie auch den anderen in kapitalistischen Ökonomien, ernsthaft an einer Änderung des Konsumverhaltens gelegen ist. Schließlich beruht genau darauf das westliche Wirtschaftssystem! Heißt die politische Message nicht immer wieder (hierzulande auf jeden Fall!): Klimaschutz ist auch mit den uns gewohnten Lebensstandards zu haben. Was doch dann unser Konsumverhalten allenfalls mit einschließt!
Am Ende versucht Earnshaw sich selbst nochmal zu übertreffen. Auf die Kritik hin, dass Massen von Müll nach China transportiert werden, um dort recycelt, deponiert, verbrannt oder was auch immer zu werden, schreibt er: dies sei nicht „nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass ein Großteil der im Abfall landenden Produkte ohnehin in China produziert wird.“ Da fällt mir nichts mehr ein, ganz ehrlich. Das ist doch einfach nur der Gipfel aller Dummheit! Weil das Zeug als nutzbares Produkt schon dreimal um die Welt geschippert wurde, wieso dann nicht auch jetzt als Müll, noch einmal auf den Frachter, tausende Liter Diesel, und ab, zurück nach China, in die Heimat! Denn man stelle sich nur einmal vor: Das wurde alles mit chinesischen Rohstoffen gebaut (stimmt zwar überhaupt nicht, aber in Earshaws Logik mag das vielleicht so klingen!), würde es nun in Europa verwertet, dann wären damit all der Stickstoff und andere wertvolle Bausteine in die der Müll letztendlich zerfällt, dem Boden von China für immer entzogen. Das wäre dann auch noch das einzigste Argument, welches den eben zitierten Satz nicht vollends der Lächerlichkeit preisgeben würde. Jedoch darf dies, bei den Ausmaßen des weltweiten Gütertransfers in alle Richtungen, getrost vergessen werden, wenn damit solch idiotische Rechtfertigungen untermauert werden. Vor allem wenn Earshaw im nächsten Satz direkt auf die fragwürdigen Recycling-Methoden in China anspricht!

Nun er bringt es aber immerhin auf den Punkt: „Das Grundproblem mit dem Streben nach ökologischer Nachhaltigkeit ist, dass es mit dem Ideal ökonomischer Effizienz schlichtweg nicht vereinbar ist.“ Damit wissen wir wo Earshaw steht und kennen somit auch den wahren Grund seines doch etwas lachhaften Händeringens.

Hier gibt es Earnshaws Artikel übrigens auf Englisch. Ob der Text in Novo eine 1zu1 Übersetzung ist, habe ich jetzt aus Faulheit allerdings nicht geprüft. Solchen Quatsch muss ich dann doch nicht nochmal lesen!

The 11th hour – 5 vor 12

Heute habe ich mir auch einmal Leonardo DiCaprios Umweltblockbuster The 11th hour oder auf deutsch 5 vor 12 angesehen. Erwartet hatte ich eine reißerische Darstellung und Aufmachung des Klimawandels und anderer ökologischer Probleme, das habe ich auch bekommen. Trotzdem hat mir der Film gefallen, so dass ich ihn allen empfehlen kann.

Anders als Al Gore, der mit seinem, mindestens gleichermaßen reißerisch gemachten Film Eine unbequeme Wahrheit, sogar den Friedensnobelpreis kassiert hat, wo er sich darin doch hauptsächlich selbst feiert und das ganz mehr einer Wahlkampfveranstaltung gleicht als einer seriösen Dokumentation, bringt DiCaprio in The 11th hour doch einige Zusammenhänge und Denkanstöße zur Sprache.

Augebaut ist das Ganze, neben vielen erschreckenden Katastrophen- und andererseits überwältigend schönen Landschafts- und Naturaufnahmen, als eine Ansammlung von kurzen Redebeiträgen verschiedener UmweltforscherInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistenInnen und AktivistenInnen.

Am Anfang einige Wahre, jedoch durch esoterischen Missbrauch leider etwas abgetretene, Worte, über das Verhältnis von Mensch und Natur. Dann werden natürlich, um erstmal zu fesseln, einige Aufnahmen verschiedener Naturkatastrophen der letzten Jahre gezeigt, um sie dann als Belege für steigende Erderwärmung und dadurch höhere Katastrophentendenz zu nutzen. Schließlich sprechen ausreichend Argumente für diese Annahme. Dies wird insbesondere mit dem menschlichen Ausstoß von Treibhausgasen und der damit einhergehenden höheren Konzentration in der Atmosphäre erklärt. Soweit, so gut. Sicher kann man hier die Art der Aufmachung kritisieren, dass mit Katastrophen die im einzelnen reichlich wenige mit Klimaveränderungen zu tun haben mögen, die Emotionen der Zuschauen angeheizt werden sollen. Auch, dass die genauen Zusammenhänge Faktoren die eine Klimaerwärmung verursachen nicht vollständig bekannt und zu erklären sind. Da der Film jedoch populärdokumentarisch sein soll und in erster Linie Menschen zum erstmaligen Nachdenken über dieses Thema bewegen will, die an Mediendarstellungen ähnlicher Art gewöhnt sind, finde ich solche Argumente an der Stelle durchaus übertrieben.

Gut gefällt mir vor allem was danach kommt: Hier werden einige weitere Zusammenhänge zwischen Mensch-Umwelt-Interaktionen gezeigt. Beispielsweise die beeinflussenden Wirkungen des Wasserkreislaufes und die Auswirkungen von Waldrodungen, sowohl im Hinblick auf Desertifizierung aber auch die Wälder als Wasserspeicher im grünen und blauen Wasserkreislauf. An dieser Stelle geht der Film deutlich über den vergleichbaren Eine unbequeme Wahrheit hinaus.

Jetzt wird das menschliche Wirtschaften seit der industiellen Revolution unter die Lupe genommen, jenes Wirtschaften also, das maßgeblich auf nicht erneuerbaren fossilen Energieträgern beruht. Es wird der enge Zusammenhang zwischen dieser Energienutzung und der rapide ansteigenden Weltbevölkerung und auch die damit verbundene, auf den Konsum gerichtete Denkweise vorgeführt. Zum Ende hin wird genau diese Denkweise der Wachstumsökonomie thematisiert und als der entscheidende Punkt, an dem, sowohl individuelle als auch gesellschaftlich-politische, Veränderungen möglich und notwendig sind, diagnostiziert. So werden dann auch verschiedene bereits anfänglich realisierte aber auch visionäre Alternativen zur derzeigtigen Ökonomie und Energiewirschaft aufgezeigt. Besonderes Augenmerk hier auf neuen Formen des Designs. Also eine zielgerichtete Nutzung des Fortschritts und der modernen Technik zur nachhaltigen und umweltverträglichen Gestaltung des menschlichen Lebens in und mit der Natur.

Green IT? Energiefresser im Informationszeitalter

In der Zeit-Ausgabe Nr. 10 vom 28. Februar, erschien ein interessanter Artikel von Marcus Rohwetter über den massiven Energieverbrauch von Rechenzentren. Dass IT lange nicht so umweltfreundlich ist, wie in den Anfängen vermutet, wo man noch vom papierlosen und damit Ressourcen schonenden Büro geträumt hat, das ist schon seit Jahren kein Geheimnis mehr. In diesem Jahr steht jedoch die gerade stattfindende CeBIT (4. – 9. März) unter dem Motto: green IT. Dies sollte ein Anlass sein, auch einmal über Möglichkeiten des Energiesparens im IT-Bereich nachzudenken.

Im Zeit-Artikel erfährt man, dass Rechenzentren, wie sie weltweit von Internetfirmen wie Google betrieben werden, mittlerweile zu den energieaufwändigsten Anlagen überhaupt gehören. Was ehemals Aluminiumfabriken waren, sind heute Serverhallen! Google beispielsweise, das Unternehmen betreibt angeblich bis zu 200 Rechenzentren, hält sich mit konketen Aussagen über die Standorte von Rechenzentren und die Herkunft der Energie zurück. Der Gesamtverbrauch der weltweiten Rechenzentren betrug 2005 123 Milliarden Kilowattstunden, für 2010 wird er auf 216 Mrd. KWh geschätzt. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch der Stadt Berlin beträgt 13 Mrd. KWh.

Auch Alternativen zur derzeitigen, energieintensiven IT-Welt werden angesprochen. Durch Cloud Computing ließen sich zum Beispiel bis zu 90 Prozent der Energie sparen. Das wäre ein Prinzip, bei dem, anders als der gängigen Praxis der Personalcomputer, die Rechenleistung, Software und Daten in Rechenzentren gesammelt und am einzelnen Arbeitsplatz nur noch Terminals stehen würden.

Solche und andere Maßnahmen sind sicherlich ein sinnvoller Weg, den Energieverbrauch zu senken. Vor allem für geschäftlich genutzt Rechner und öffentliche PCs, wäre Cloud Computing eine leicht umsetzbare Maßnahme. Bei PCs für dem privaten Gebrauch zuhause, würden damit allerdings auch Probleme des Datenschutzes und der Privatsphäre auftauchen, die eine schnelle Umsetzung solcher Maßnahmen verhindern. Niemand möchte seine eigenen vertraulichen Daten in irgendwelchen Rechenzentren lagern, die sich der eigenen Kontrolle völlig entziehen. Allerdings sind hier sicherlich auch Lösungen in der Mitte möglich. Rechenleistung teilen und trotzdem lokale Datenträger verwenden, PCs wesentlich mehr auf den individuellen Bedarf anpassen und somit für bessere Energieeffizienz sorgen und Anderes.

Da ich selbst kein so großer Computerfreak bin, werde ich die CeBIT nicht besuchen. Vielleicht lässt sich aber in den Medien in den nächsten Tagen erfahren, wie weit Konzepte zur nachhaltigen Energiewirtschaft dort thematisiert werden.