nullmeridian aka nunatak

Hin und wieder schreibe ich hier was.

Emissionshandel für alle?

Nachdem ich nun eine längere Zeit des andauernden Lernstress‘ hinter mir habe und dafür auch durchaus erfreulich belohnt wurde, bin ich gerade dabei angesammelte Zeitungen, Zeitschriften und vielleicht auch mal wieder ein paar Bücher abseits geographischer Lehr- und Fachbücher zu lesen. Und nebenbei, mal sehn was darauf wird, vielleicht auch den einen oder anderen Beitrag hier posten.

Gerade hab ich mir die letztwöchige Zeit (Nummer 42, vom 9. Oktober) geschnappt. In der Rubrik „Wissen“ schreibt der Naturphilosoph und Wissenschaftstheoretiker Olaf L. Müller, wie er sich einen weltweiten CO2-Emissionshandel vorstellen könnte. Im Blick hat er dabei ein System des Zertifikatehandels für jede Einzelperson.

Am Ende kommt er auf die Frage nach der Bürokratie zu sprechen. Nein, sagt er, das Auszahlungssystem würde keinen monströsen Verwaltungsapparat schaffen. Nur ein Fingerabdruck und mal würde seinen gerechten Anteil erhalten. Für’s Bezahlen mag das möglich sein und auch zu Zahlende zur Kasse bitten, da steckt wohl nicht das Problem. Nicht erwähnt bleibt jedoch: Auf welche Weise stellt Müller sich die genaue Erfassung der CO2-Bilanz eines jeden Menschen vor. Wenn da nicht eine riesengroße Bürokratie- und Rechenkrake auf die Menschheit warten soll, wie soll das Ganze funktionieren? Zur genauen Erfassung der individuellen Kosten oder Ansprüche müsste schließlich jede einzelne (Konsum-)handlung eines Menschen kontrolliert und erfasst werden. Das wäre dann der letzte Schritt zum vollständig durchleuchteten Individuum. Jeder Einkauf, jede Reise, alles müsste erfasst und in der persönliche Bilanz verrechnet werden. In Industriestaaten rein theoretisch vielleicht noch ansatzweise möglich, jedoch in eher unwegsamen – ob politisch oder topographisch – Erdregionen, dort wo doch vorwiegend diejenigen leben denen gerechterweise Ansprüche aus diesem Ausgleichhandel zukommen sollten, wird sowas gänzlich unmöglich.  Ob der Theoretiker Müller daran wirklich nicht gedacht hat, oder ob ihm hier dann doch nur die statistische Bewertung individueller Emissionen vorschwebt, würde mich schon interessieren.

Umweltprogramme im Novo-Diskurs

Ich hatte kürzlich ja schon mal über die Zeitschrift Novo, die sich seit der aktuellen Ausgabe in neuem Layout, novoargumente nennt, berichtet. Dabei habe ich einerseits meinen Lob zur konsequent kritisch fragenden Grundhaltung, aber was manche Argumentation in Klimabelangen angeht, auch zweifelhafte Haltung angesprochen. Jetzt kam ich mal wieder dazu ein wenig zu schmöckern, und auch hier ändert sich nix. Einerseits Lob, andererseits kann ich manchmal nur den Kopf schütteln.
Berichten will ich hier über zwei Artikel der Ausgabe 93. Einmal von Heinz Horeis, „Small is was beautiful“ – Öko wird Großtechnik, der mir echte Denkanstöße liefern konnte. Dann von Martin Earnshaw, Recycling: Abfallvermeidung oder Zeitverschwendung? in dem die Überschrift und ein paar Sätze wirklich etwas taugen, der Rest sich aber leider in dümmlichen Argumentationen verliert. Aber ich will nicht vorgreifen, immer der Reihe nach.

Heinz Horeis schreibt über den Trugschluss, demnach erneuerbare Energiewirtschaft mit einer Dezentralisierung und damit dem Abschied von monopolistischen Energiekonzernen verbunden sei. Dabei stößt er vieles an, was durchaus zu denken gibt. Ich gebe zu, auch ich war – und bin es zum Teil noch immer – von der Idee erfasst, ein Wechsel der Energieformen, könne auch manch monopolistische Struktur ein wenig lockern. Aber Horeis‘ Argumente stimmen wohl, geplante Großanlagen zur Erzeugung „grüner Energie“ haben mit Dezentralisierung nicht viel zu tun. Und sicher, es sind massive Investitionen nötig, die von altbekannten Akteuren geleistet werden können, ob es jetzt Ölkonzerne oder die großen Stromerzeuger sind. Man will den Rang nicht räumen, und auch wenn denen der Wandel vielleicht nicht so richtig schmeckt: lieber rechtzeitig ein Plätzchen sichern, als hinterher daneben stehn!
Neben den Stromanlagen spricht Horeis noch auf Biotreibstoffe an: Wo hier „Bio“ draufsteht, war noch niemals „Bio“ drin. Wie Recht er hat, doch das ist wahrlich kein Geheimnis! So ist das ganze Gemache mit dem Biodiesel/Biosprit schon lange nichts als politische Propaganda, Umweltaktive bemängeln schon längst: völlig ineffizient und selbst mit erheblichen Umweltproblemen behaftet. Riesige Monokulturen, Abholzung, keine Spur von geschlossenen CO2-Kreisläufen und die de facto Beibehaltung einer auf Erdöl basierenden Wirtschaft. Nur um ein paar der Beispiele zu nennen, die schon lange für Kritik sorgen! Hier klaut also Horeis ein paar Argumente von jenen, gegen deren Blauäugigkeit er doch eigentlich anschreiben will.

Der Autor kommt so insgesamt zu folgendem Schluss: Das ganze Programm sei ineffizient, zu teuer und sowieso: ein Riesenapparat würde dabei entstehen, der viel zu anfällig werde. Europa müsse aus allen peripheren Ecken Energie importieren, wodurch ein riesengroßes Supernetz entstehen würde. Windenergie aus Russland, Sonnenstrom aus der Sahara, Wasser treibt Turbinen in Skandinavien an und Erdwärme aus Islands warmen Böden. Das ganze mit riesigen Energiespeichern und allem drum und dran. Der reinste Wahnsinn! Da bleiben wir doch lieber schön unserer Kernkraft treu. Die ist nicht dreckig, nur sehr gefährlich, dafür altbewährt und spart zudem kostbaren Platz.

Hm….da kommen jetzt wieder die Argumente des Fortschritts ins Spiel. Doch eigentlich das, was sich die Novo aufs Jäckchen schreibt! Ich denke, Horeis hat schon Recht: So einfach dezentralisiert sich das Energiewirtschaften nicht. Andererseits stecken die erneuerbaren Energiegewinnungstechniken noch ziemlich in den Kinderschuhen. Ganz anders als Kernenergie und Petroindustrie! Das heißt, hier sind noch jede Menge Innovationen zu machen, leistungssteigernde Verbesserungen, die auch der Heimstromerzeugung in Zukunft durchaus noch bessere Noten bescheren können. Ich meine zwar auch, in der radikalen Abwehr gegen die Kernkraft steckt auch viel ängstliche Abwehremotion und nicht nur rationale Überlegung, jedoch, das zeigen die Erfahrungen der Geschichte, wohl sicher nicht völlig zu Unrecht. Es gibt durchaus sinnvolleres und dringlicheres im Umweltschutz als den sofortigen Atomausstieg. Beispielsweise radikale Veränderungen im Transportwesen. Weg mit den Kraftfahrzeugen und rein in die Züge. Vorraussetzung: Die Preise radikal senken und der Ausbau sämtlicher Verbindungen. Ja doch, wenn alle Bahn fahren, rechnet sich das auch bei massiv gesenkten Preisen!
Insgesamt bleibt zu sagen, trotz einiger Kritik: Ein guter Artikel, da er zu denken gibt. Weil er mich zwingt einige Vorstellungen, die vielleicht zum Teil Illusionen sind, zu überdenken. Die novoargumente selbst jedoch, so frage ich mich manchmal, werden vielleicht dem selbst gestellten Anspruch der Fortschrittlichkeit allenfalls bedingt gerecht.

Und nun zum zweiten: Martin Earnshaws, Recycling: Abfallvermeidung oder Zeitverschwendung?

Der Anlass zum Schreiben des Textes, war für den britischen Autor Earnshaw, ein nun im Vereinten Königreich eingeführtes Mülltrennungssystem, ähnlich, wie wir es hierzulande mit unserem Dualen System schon seit Jahren kennen. Ich bin schon lange kein Freund mehr dieses Programms. Wieso noch immer daran festgehalten wird ist mir ein schieres Rätsel! Vor langem schon sah ich über besagtes Duale System eine echt gute Reportage, ich glaub es war im Ersten. Nicht nur, dass das Programm die reinste Geldmacherei mit schon fast mafiösen, mindestens jedoch zutiefst „Klüngeligen“ Methoden ist, es ist auch tatsächlich einfach überflüssig und bringt nichts als ein trügerisch gutes Gewissen. Natürlich läuft Trennung in den Haushalten nicht perfekt, so muss sowohl der „gelbe Sack“ als auch der Restmüll später noch einmal maschinell und/oder von Hand sortiert werden. Komplett doppelt gemoppelt also, sonst nix! Teuer, sinnlos und ineffizient, das ist die schlichte Wahrheit des dualen Schwachsinns! Daneben wird den Menschen auch noch vorgegaukelt sie würden sich umweltschonend verhalten wenn sie nur fleißig trennen. Müll sei ja gar nicht mehr so schlimm, schließlich werde alles schön recycelt.

Jetzt fängt es aber auch schon an. Martin Earnshaw steigert sich zur Abwehr dieser Trennerei von einem lächerlichen Argument ins nächste, anscheinend darum kämpfend, sich an Dummheit noch mal zu überbieten! Erstmal übertreibt er maßlos, indem er mehrmals betont was für eine Zumutung es doch für die Bürger sei, stinkende, von Maden und Ratten bevölkerte Biotonnen in Straßen und Höfen stehen zu haben. Stimmt schon, es kommt im Sommer, wenn’s dann mal ein paar Wochen wirklich brutzelt, dann und wann mal vor, dass die Dinger etwas müffeln. Was Earnshaw daraus bastelt ist allerdings doch reichlich peinlich. Der Nutzen der Kompostierung darf bezweifelt werden, Methan das dabei entsteht als Biogas zu verwenden, sei wegen seiner wenig überzeugenden Bilanz zweifelhaft? So Earnshaws Kritik. Was allerdings eine schlechte Bilanz hier sein soll, bei Gasen die aus Müll gemacht werden, oder besser gesagt, bei der Zersetzung auf jeden Fall und ganz von allein entstehen, nur auf andere Weise eben als Treibhausgas mit 20facher CO2-Wirkung in die Atmosphäre gingen, ist schon etwas fraglich. Dann heißt’s, es gehe bei der „zero waste“-Kampagne eigentlich gar nicht nur um die Trennung, sondern um eine Erziehung zum veränderten Umgang mit dem Konsum. Aha! Dies die Kritik. Ja, wenn es denn nur so wäre! Ist dies nicht das entscheidende und tatsächlich wichtige Ziel jeder Maßnahme zum Umwelt- oder Klimaschutz? Eine Veränderung des Konsumverhaltens. Jo, genau das ist notwendig für effektiven Umweltschutz! Für Earnshaw ist dieses angebliche Anliegen des britischen Umweltministeriums jedoch Anlass zur Kritik. Übrigens, darf durchaus bezweifelt werden, dass den britischen Ministerien, wie auch den anderen in kapitalistischen Ökonomien, ernsthaft an einer Änderung des Konsumverhaltens gelegen ist. Schließlich beruht genau darauf das westliche Wirtschaftssystem! Heißt die politische Message nicht immer wieder (hierzulande auf jeden Fall!): Klimaschutz ist auch mit den uns gewohnten Lebensstandards zu haben. Was doch dann unser Konsumverhalten allenfalls mit einschließt!
Am Ende versucht Earnshaw sich selbst nochmal zu übertreffen. Auf die Kritik hin, dass Massen von Müll nach China transportiert werden, um dort recycelt, deponiert, verbrannt oder was auch immer zu werden, schreibt er: dies sei nicht „nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass ein Großteil der im Abfall landenden Produkte ohnehin in China produziert wird.“ Da fällt mir nichts mehr ein, ganz ehrlich. Das ist doch einfach nur der Gipfel aller Dummheit! Weil das Zeug als nutzbares Produkt schon dreimal um die Welt geschippert wurde, wieso dann nicht auch jetzt als Müll, noch einmal auf den Frachter, tausende Liter Diesel, und ab, zurück nach China, in die Heimat! Denn man stelle sich nur einmal vor: Das wurde alles mit chinesischen Rohstoffen gebaut (stimmt zwar überhaupt nicht, aber in Earshaws Logik mag das vielleicht so klingen!), würde es nun in Europa verwertet, dann wären damit all der Stickstoff und andere wertvolle Bausteine in die der Müll letztendlich zerfällt, dem Boden von China für immer entzogen. Das wäre dann auch noch das einzigste Argument, welches den eben zitierten Satz nicht vollends der Lächerlichkeit preisgeben würde. Jedoch darf dies, bei den Ausmaßen des weltweiten Gütertransfers in alle Richtungen, getrost vergessen werden, wenn damit solch idiotische Rechtfertigungen untermauert werden. Vor allem wenn Earshaw im nächsten Satz direkt auf die fragwürdigen Recycling-Methoden in China anspricht!

Nun er bringt es aber immerhin auf den Punkt: „Das Grundproblem mit dem Streben nach ökologischer Nachhaltigkeit ist, dass es mit dem Ideal ökonomischer Effizienz schlichtweg nicht vereinbar ist.“ Damit wissen wir wo Earshaw steht und kennen somit auch den wahren Grund seines doch etwas lachhaften Händeringens.

Hier gibt es Earnshaws Artikel übrigens auf Englisch. Ob der Text in Novo eine 1zu1 Übersetzung ist, habe ich jetzt aus Faulheit allerdings nicht geprüft. Solchen Quatsch muss ich dann doch nicht nochmal lesen!

Kapitalismuskritik in der ZEIT

Im Feuilleton Ausgabe 14 der Wochenzeitung Die Zeit, vom 27. 03. hat Thomas Assheuer eine sehr gute und für ein großes deutsches Leitmedium doch eher ungewöhnlich „radikale“ Kritik am Kapitalismus geschrieben. Es kommt vieles zur Sprache, was sonst nur in der sogenannten linken Presse zu lesen ist. Es tut gut und ist wichtig, diese nur allzu berechtigte Kritik endlich einmal in einem Medium finden, in dem sich nicht nur, die ohnehin schon längst kapitalismuskritischen Menschen dieser Gesellschaft austauschen, sondern das vom gesamten Bildungsbürgertum (auch hier wieder das sogenannte!) konsumiert wird. Ob’s was bringt ist eine andere Frage, anzunehmen ist es leider nicht! Zu starr sind die ideologischen Blockaden der meisten, zu engstirnig das Denken der „Eliten“ in diesem und anderen Ländern.

Was mich enttäuscht: Auch Assheuer macht, bei all der Kritik, am Ende des Artikels doch wieder den Schwenk, zurück in die westlich kapitalistische Ideologie und präsentiert damit einen alten Mythos. Zwar nicht, wie andernorts so oft, als naturgegebenes Gesetz, aber doch immerhin als „historisches Zwillingspaar, als glückliche Liaison von Freiheit und Gerechtigkeit“. Es geht um das Zusammengehören von Demokratie und Kapitalismus. Was dabei dann bei Leserin und Leser hängenbleibt, und das durchaus bewusst, ist folgendes: Kapitalismus ist die Wirtschaftsform der Demokratie. Und da wir doch alle demokratische Menschen sind, an individuelle Freiheit und Rechte glauben, bleibt uns auch keine Alternative zur kapitalistischen Ökonomie.

Das die Wirklichkeit eine andere ist, würde schon ein Blick nach Fernost zeigen: China beweist sehr gut, dass Kapitalismus durchaus auch ohne bürgerliche Demokratie zu haben ist. Und wie wäre es dann andersherum? Demokratie ja, Kapitalismus nein. Sicher, richtg ist schon, Kapitalismus beruht auf freiem Markt und die Demokratie auf der Freiheit der Menschen, aber das macht den zwingenden Zusammenhang doch noch lange nicht zum Naturgesetz! Man sieht schließlich deutlich genug, dass ein Übermaß an freiem Markt die menschliche Freiheit mitunter auch ganz schön beengen kann.

Also wäre es nicht an der Zeit, einmal danach zu fragen, ob vielleicht Demokratie auch mit anderer Ökonomie vielleicht sogar einer wesentlich besseren, heißt demokratischeren, Form zu erreichen wäre. Immerhin gehen einige postmarxistische, linke Überlegungen in verschiedene basisdemokratische und ähnliche Richtungen. Aber das sind eben schon wieder nicht die Dinge, die in einem deutschen Leitmedium diskutiert werden und daher vielleicht leider nur unzureichend im öffentlichen Denken bekannt sind.

The 11th hour – 5 vor 12

Heute habe ich mir auch einmal Leonardo DiCaprios Umweltblockbuster The 11th hour oder auf deutsch 5 vor 12 angesehen. Erwartet hatte ich eine reißerische Darstellung und Aufmachung des Klimawandels und anderer ökologischer Probleme, das habe ich auch bekommen. Trotzdem hat mir der Film gefallen, so dass ich ihn allen empfehlen kann.

Anders als Al Gore, der mit seinem, mindestens gleichermaßen reißerisch gemachten Film Eine unbequeme Wahrheit, sogar den Friedensnobelpreis kassiert hat, wo er sich darin doch hauptsächlich selbst feiert und das ganz mehr einer Wahlkampfveranstaltung gleicht als einer seriösen Dokumentation, bringt DiCaprio in The 11th hour doch einige Zusammenhänge und Denkanstöße zur Sprache.

Augebaut ist das Ganze, neben vielen erschreckenden Katastrophen- und andererseits überwältigend schönen Landschafts- und Naturaufnahmen, als eine Ansammlung von kurzen Redebeiträgen verschiedener UmweltforscherInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistenInnen und AktivistenInnen.

Am Anfang einige Wahre, jedoch durch esoterischen Missbrauch leider etwas abgetretene, Worte, über das Verhältnis von Mensch und Natur. Dann werden natürlich, um erstmal zu fesseln, einige Aufnahmen verschiedener Naturkatastrophen der letzten Jahre gezeigt, um sie dann als Belege für steigende Erderwärmung und dadurch höhere Katastrophentendenz zu nutzen. Schließlich sprechen ausreichend Argumente für diese Annahme. Dies wird insbesondere mit dem menschlichen Ausstoß von Treibhausgasen und der damit einhergehenden höheren Konzentration in der Atmosphäre erklärt. Soweit, so gut. Sicher kann man hier die Art der Aufmachung kritisieren, dass mit Katastrophen die im einzelnen reichlich wenige mit Klimaveränderungen zu tun haben mögen, die Emotionen der Zuschauen angeheizt werden sollen. Auch, dass die genauen Zusammenhänge Faktoren die eine Klimaerwärmung verursachen nicht vollständig bekannt und zu erklären sind. Da der Film jedoch populärdokumentarisch sein soll und in erster Linie Menschen zum erstmaligen Nachdenken über dieses Thema bewegen will, die an Mediendarstellungen ähnlicher Art gewöhnt sind, finde ich solche Argumente an der Stelle durchaus übertrieben.

Gut gefällt mir vor allem was danach kommt: Hier werden einige weitere Zusammenhänge zwischen Mensch-Umwelt-Interaktionen gezeigt. Beispielsweise die beeinflussenden Wirkungen des Wasserkreislaufes und die Auswirkungen von Waldrodungen, sowohl im Hinblick auf Desertifizierung aber auch die Wälder als Wasserspeicher im grünen und blauen Wasserkreislauf. An dieser Stelle geht der Film deutlich über den vergleichbaren Eine unbequeme Wahrheit hinaus.

Jetzt wird das menschliche Wirtschaften seit der industiellen Revolution unter die Lupe genommen, jenes Wirtschaften also, das maßgeblich auf nicht erneuerbaren fossilen Energieträgern beruht. Es wird der enge Zusammenhang zwischen dieser Energienutzung und der rapide ansteigenden Weltbevölkerung und auch die damit verbundene, auf den Konsum gerichtete Denkweise vorgeführt. Zum Ende hin wird genau diese Denkweise der Wachstumsökonomie thematisiert und als der entscheidende Punkt, an dem, sowohl individuelle als auch gesellschaftlich-politische, Veränderungen möglich und notwendig sind, diagnostiziert. So werden dann auch verschiedene bereits anfänglich realisierte aber auch visionäre Alternativen zur derzeigtigen Ökonomie und Energiewirschaft aufgezeigt. Besonderes Augenmerk hier auf neuen Formen des Designs. Also eine zielgerichtete Nutzung des Fortschritts und der modernen Technik zur nachhaltigen und umweltverträglichen Gestaltung des menschlichen Lebens in und mit der Natur.

Über Klimahysteriker und dessen Leugner

Seit Anfang 2007 die ersten Berichte des 4. IPCC-Report veröffentlicht wurde dominiert die Diskussion um den Klimawandel die Wissenschaft und über die Medien auch die Öffentlichkeit. Viel Unsinn und ein bisschen Wahres wurde in dieser Zeit publiziert. Eine drohende Apokalypse in nur wenigen Dekaden ins Bewusstsein der Menschen zu zeichnen, wird kaum zur Aufklärung und zu bewussterem Handeln beigetragen haben. Während bei den sensationsgeilen Schundmedien, die am Anfang am lautesten nach der Katastrophe gerufen haben, das Thema schon längst wieder den Nichtigkeiten des Alltags gewichen ist, geht die Debatte in etwas seriöseren und glaubhafteren Medien weiter.

Nun will ich hier keinen Gesamtüberblick über die Diskussion liefern, ein solcher Versuch wäre bei der Masse von Artikeln, Büchern und anderen Beiträgen zum Thema sicherlich zum Scheitern verurteilt. Wirklich interessierte Menschen werden sich ohnehin bereits selbst einen gewissen Überblick verschafft haben. Ich will viel mehr meinen eigenen Senf zu den beiden in der Überschrift genannten Extremen beitragen und über mein Verständnis von öffentlich, politischer Vermittlung einerseits, und wissenschaftlich, objektiver Forschung andererseits reflektieren.

Die anfängliche Klimahysterie ist nach der ersten Zeit, in der sich die Medien aus Werbegründen gegenseitig mit noch packenderen und erschreckenderen Überschriften zu überbieten versuchten, allmählich wieder abgeflacht. Jedoch bleiben verschiedene Meinungslager in der öffentlichen Diskussion zurück, die sich gegenseitig als HysterikerInnen und LeugnerInnen bezeichnen und auf diese Weise diffamieren wollen. Auf der einen Seite die Anhänger der IPCC, Wissenschaftler denen die Hinweise die für eine globale Erwärmung sprechen ausreichen um von einer Gefahr des Klimawandels zu sprechen. Auf der anderen: viele kritische Journalisten, Wissenschaftler denen die Beweise noch nicht ausreichend sind, aber auch Lobbyisten, die verschiedenen Industriezweigen und Gruppen nahe stehen, denen ein Klimawandel nicht ins Weltbild passt.

Der Klimawandel ist ein hochkomplexes Themengebiet, dessen vollständige Zusammenhänge und Faktoren auch die Wissenschaft noch lange nicht ausreichend erfassen und modellieren kann. Wie schwierig wird es dann für uns Laien einigermaßen gesicherte Aussagen zu treffen und den richtigen Weg zu kennen? Ich selbst bin in meinem Geographiestudium erst vor wenigen Semestern in den Klimakomplex eingetaucht und beginne nach einigen Vorlesungen und Seminaren so langsam etwas grundlegenderes Verständnis aufzubauen. Jedoch auch dies natürlich nur im Rahmen in dem es mir vermittelt wurde bzw. nach den Lehrmeinungen die meine Dozenten und Dozentinnen, mein Institut oder der zeitgemäße wissenschaftliche Konsens eben gerade vertreten. Und natürlich die eigenen Ansichten die ich mir bei der weiteren Beschäftigung mit dem Thema bisher gebildet habe.

Es können sowohl für als auch gegen einen menschlich verursachten Klimawandel wissenschaftliche Argumente vorgeführt werden, die einseitige Berufung auf das Eine oder das Andere sind leider in vielen populärwissenschaftlichen Artikeln, Büchern und Filmen Praxis und führen zur vollständigen Verwirrung interessierter Laien. In dem Film The great global warming swindle beispielsweise werden ganz bewusst Fakten selektiv und einseitig dargestellt um die gewünschte Aussage zu erhalten.

Ein Dozent, bei dem ich im letzten Semester eine sehr interessante und lehrreiche Vorlesung über Paläoozeanographie gehört habe, sagte dazu sinngemäß: Es sei sicher richtig und wichtig, dass in der Wissenschaft in alle Richtungen geforscht und diskutiert werden, für die öffentliche Meinungsbildung sei dieses Durcheinander aber sicherlich nicht sinnvoll, da es einem bewussterem Umgang mit Ressourcen und Klimaschützendem Verhalten im Weg stehe.

Diese Aussage kann ich durchaus unterstützen! Denn selbst wenn der genaue Einfluss des Menschen noch nicht richtig klar ist, die Auswirkungen des steigenden CO2-Gehalts in der Atmosphäre nicht abschließend gesichert sind, bleiben einige Fakten zweifelsfrei: der erhöhte CO2-Gehalt wird durch den menschlichen Einsatz fossiler Energieträger verursacht, CO2 ist ein klimarelevantes Treibhausgas, da dessen Absorptionsbanden im Bereich der langwelligen terrestrischen Strahlung liegen, der Ausstoß fossiler Brennstoffe hat neben der Klimabeeinflussenden auch andere schädliche Umwelteinwirkungen. Außerdem, unabhängig davon, wie lange nun die Reserven von Erdöl und Erdgas noch tatsächlich reichen, endlich sind sie allemal und die ungleiche Verteilung fördert schon heute massive zwischenstaatliche Konflikte und wirtschaftliche Spannungen. Eine zukunftsorientierte Entwicklung kann also nur eine solche sein, die sich nach Alternativen zur existierenden Energiewirtschaft umsieht.

Ob jetzt CO2 in dem Maße zur Erwärmung beiträgt wie manche es sagen, oder ob die Erwärmung durch eine angeblich einsetzende Eiszeit ausgeglichen wird: Die Reduzierung des CO2-Ausstßes kann jedenfalls keinen schädlichen Einfluss auf das Ökosystem Erde haben, soviel ist sicher! Deswegen ist es schädlich hier in der öffentlichen Meinungsmache gegenzulenken und alles nur als die bloße Katastrophenphobie einiger Wissenschaftler und Umweltschützer abzutun.

Anders verhält es sich im wissenschaftlichen Diskurs. Auch hier scheinen sich regelrechte Fronten aufzubauen und einen politisch gewollte Konsens zu konstruiert, der einer Forschung in verschiedenen Richtungen hinderlich ist. Forschung kostet viel Geld, so sind einzelne Forscher und Institute immer auf der Suche nach Geldgebern. Wenn ein zu starker Meinungskonsens besteht, kann auch das die Entwicklung stark bremsen.

Die Zeitschrift Novo beschäftigte sich in den letzten Ausgaben immer wieder mit dem Klimawandel und ging dabei – der eigenen Philosophie folgend – stets kritisch mit dem vorherrschenden wissenschaftlichen Konsens und auch mit der engen Verzahnung von Wissenschaft und Politik um. Dabei kamen beispielsweise der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und auch das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eher schlecht weg. Genaue Beobachtung und kritische Grundhaltung ist immer gefordert, inhaltlich sehe ich die Arbeit der beiden genannten Institutionen etwas anders. Trotzdem, ob man die Arbeit im Einzelnen nun für gut oder weniger gut hält, es schadet der freien Wissenschaft wenn deren Ergebnisse von der Politik als Konsens erklärt werden und damit jeder oppositionellen Forschung damit die Anerkennung und Förderung verwehrt. Der Klimawandel ist noch viel zu wenig erforscht um sich bereits auf eine einzige Lehrmeinung festzulegen.

Etwas, das mir bei den Artikeln verschiedener Autoren zum Thema in der Novo aufgefallen ist, dass immer wieder, vielleicht nicht immer explizit aber doch unterschwellig, Position für die Kernenergie oder ein Festhalten an den fossilen Brennstoffen auf Erdölbasis ergriffen wurde. Die Zeitschrift titelt sich jedoch mit dem Zusatz: Argumente für den Fortschritt. Beides, Kernenergie und Petroindustrie sind aussterbende Relikte aus dem letzten Jahrhundert – oder sollten es zumindest sein! – und mitnichten modern. Dafür das Wort zu ergreifen ist nicht fortschrittlich sondern konservativ bis reaktionär!

Übrigens sollte einer Zeitschrift, die sich radikal auf die Freiheit des Menschen beruft, nicht zwei Industriezweige fördern, die extrem monopolistisch organisiert sind und deren Lobbyismus große Macht zulasten demokratischer Grundsätze besitzt. Die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen und anderer innovativer Alternativen bieten, neben den positiven Umwelteinflüsse, auch die Möglichkeiten einer demokratischeren und freiheitlicheren Gesellschaftsordnung.

Kernenergie erzeugt zwar keinen CO2-Ausstoß, jedoch das Drumherum, der Bau von Anlagen, die Gewinnung und die höchst problematische Entsorgung radioaktiver Stoffe ist alles andere als CO2-neutral. Welche anderen Risiken mit der „friedlichen Nutzung“ der Kernenergie noch alles verbunden sind, weiß jeder. Im aktuellen Freitag ist es das Thema der Woche.

Die Politik sucht für alles eine schnelle und einfache Lösung. So wird z.B. der steigende Einsatz von Biokraftstoffen schon als durchschlagender Fortschritt gegen den Klimawandel erklärt. Das ist natürlich Unsinn, das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur, dass für den Anbau von Pflanzen zur Kraftstoffgewinnung Regenwälder – z.B. in Brasilien und Indonesien – abgeholzt, Flächen die zum Anbau von Nahrungsmitteln gebraucht würden, wegen der höheren Rendite umfunktioniert werden und damit als Monokulturen bewirtschaftet werden. Beim Anbau und der Ernte von Pflanzen für Biosprit werden große Mengen fossiler Energie verbraucht. Von einem geschlossenen, kurzen CO2-Kreislauf kann also hier keine Rede sein. Außerdem zementiert diese Politik de facto die Beibehaltung der Verbrennungsmotoren mit Treibstoffen auf Erdölbasis. Sicher, die Automobilindustrie macht Druck, aber Innovation ist was anderes!

Ein Großteil der Biosprit-Rohstoff-Produktion wird in Schwellenländern geleistet. Dort stehen zum einen die Flächen zur Verfügung, zum anderen können die Bauern dort die Einkünfte sehr gut gebrauchen. Aber auch hierzulande blühen seit Jahren zunehmend mehr Rapsfelder und Mais wird, statt zu Futtersilage, in Bio-Ethanol umgewandelt. Wie ich auf einem Eintrag des ArtenBlog.de erfahren habe, wurde im letzten Jahr vom Wissenschaftlichen Beirat Agrarpolitik ein Gutachten erstellt, das der Biodiesel-Produktion eine recht bescheidene Note im Nutzen zur CO2-Reduzierung ausstellt. Natürlich nicht ohne den Zusatz, dass dieses Ergebniss nicht heiße, der Weg des Biosprits sei der Falsche!

Religionen im deutschen Schulsystem

Übers Wochenende war ich unterwegs, zuhause in der Heimat. Sowohl auf der Hin- als auf der Rückfahrt, als ich da so halb dösend, halb lauschend auf dem Rücksitz einer Mitfahrgelegenheit saß, kam jeweils ein Radiobeitrag zum Umgang mit dem Islam im deutschen Schulsystem. Beides ein alter Hut, doch beides voller Widersprüche und Ungereimtheiten.

Die erste Meldung, es war auf WDR 2 oder 3, am letzten Freitagvormittag. Es ging um Islamunterricht an deutschen Schulen. Auf der Islamkonferenz, die der Integration und dem Dialog dient, wurde er gefordert und eigentlich soll er auch kommen. Jetzt wurde gesagt, in NRW sei er vorerst nicht möglich, es fehle ein konkreter Ansprechpartner. Somit bleibt es bei bloßer Islamkunde, wie es als Fach schon unterrichtet wird.
An diesem Punkt fange ich dann an zu denken: Prima! Islamkunde ist doch super! So soll es sein. Wieso überhaupt Religionsunterricht? Sollte nicht auch endlich einmal der Schritt gemacht werden, den christlichen Unterricht, der im Gegensatz zur Religionskunde, das Glaubensbekenntnis vermitteln und die Schüler zum Mitglied der Glaubensgemeinschaft erziehen soll, ein für alle mal abzuschaffen? Was bitte hat das im Bildungssystem verloren?

Die Schule soll Menschen zu mündigen, selbstverantwortlich handelnden Menschen erziehen. Die Werkzeuge und Fähigkeiten vermitteln die in dieser Gesellschaft zum erfolgreichen Leben benötigt werden. So zumindest mein Verständnis von schulischer Bildung. Erziehung zum Glauben ist das Privileg der Eltern. Wenn diese unbedingt meinen, ihrem Nachwuchs den eigenen Glauben mitgeben zu müssen, sollen sie das tun. Gerne!

Deswegen: Religionskunde! Und zwar gleichberechtigt und für alle die Kunde aller wesentlichen Religionen. Sicher, im europäischen Raum erscheinen im Alltagsgeschehen die christlichen Religionen sowie der Islam, aber auch das Judentum als die wichtigsten und damit am relevantesten. Aber auch die Kenntnis von Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Konfuzianismus und verschiedene andere Strömungen – auch Sekten – können helfen, sich entwickelnden Menschen eine Basis zur freien Entscheidung zum Glauben oder dagegen, oder einfach nur um der Kenntnis der damit verbundenen kulturellen Verschiedenheiten zu geben.

Solange es aber christlichen Religionsunterricht gibt, muss es, auch wenn es ein Schritt in die falsche Richtung ist, gleichberechtigt auch allen anderen Glaubensgemeinschaften erlaubt sein, diesen in ähnlicher Form für Schüler und Schülerinnen der entsprechenden Religion anzubieten.

Auf der Rückfahrt kam dann auf SWR 3(?) ein Beitrag, der von einer Grundschullehrerin in Baden-Württemberg berichtete, die gegen das Verbot, ein Kopftuch zu tragen, bei der Schulbehörde klagte. Es handelt sich um eine, zum Islam konvertierte Frau, die schon seit Jahren das Kopftuch im Unterricht trug, der es jetzt allerdings verboten wurde.

Im Grunde ist es mir ziemlich egal wie solche Dinge gehandhabt werden. Ich bin damit einverstanden und sehe es auch als berechtigt an, wenn, wie beispielsweise in Frankreich, gesagt wird: Jegliches Tragen religiöser Symbole ist in der Schule verboten. Andererseits empfinde ich es nicht als schädlich, wenn eine muslimische Lehrerin ein Kopftuch, ein Christ dagegen ein Kreuzsymbol trägt. Das kann den Dialog fördern und Toleranz schulen. Kinder in einer Grundschule werden die Lehrerin fragen wieso sie das Tuch trägt und diese kann denen erklären warum es für sie wichtig ist. Solange es jeder einzelnen Lehrkraft selbst überlassen ist, Symbole zu tragen oder eben nicht, sehe ich keine Gefahr durch Beeinflussung gegeben. Es ist schließlich mehr als unwahrscheinlich, dass plötzlich eine ganze Schule in Deutschland nurmehr aus Lehrkräften islamischen Glaubens besteht, so dass diese Homogenität zum Problem werden kann. Diese Gefahr würde nur dann bestehen, wenn es im Interesse der Schule selbst läge, was mit der Glaubensfreiheit des Grundgesetztes allerdings nicht zu vereinbaren wäre. Da stellt doch schon viel mehr das Kreuz das in den meisten bayrischen Klassenräumen hängt eine größere Manipulation dar.

Was mich dann allerdings geärgert hatte, da auch hier wieder ein Widerspruch in der Gleichbehandlung der Religionen deutlich wird, ist die Tatsache, dass das Gericht selbst den Einwand, es würden an irgendeiner Schule in der Gegend auch drei Frauen im Ordensgewand unterrichten, nicht gelten lies. In Wahrheit sind es nicht drei Lehrerinnen im Ordensgewand. An sehr vielen, zumindest süddeutschen, Schulen sind Nonnen in entsprechender Robe eine Alltäglichkeit. Ich selbst ging vor Jahren in Bayern zur Schule und hatte mehrmals das – manchmal auch zweifelhafte – Vergnügen.

Was will ich sagen? Im Grunde dies: Religionsunterweisung raus aus den Schulen! Und bis es soweit ist, wenigstens konsequente Gleichbehandlung aller Glaubensgemeinschaften.

Das Magazin Novo im neuen Gewand

Vor ein paar Tagen habe ich angefangen meine Blogroll und eine Linkliste mit lesenswerten Seiten zu füttern. Darunter befindet sich auch das Magazin Novo. Online lese ich die Texte schon einige Zeit und seit einem halben Jahr habe ich das alle zwei Monate erscheinende Heft auch im Abo.

Ab der aktuellen Ausgabe erscheint das Magazin nun in einem neuen Layout und nennt sich Novo Argumente für den Fortschritt. Damit einhergehen soll auch verstärkte Bekanntmachung. Novo wird erstmals in Bahnhofsbuchhandlungen verkauft und soll zukünftig auch an Universitäten öffentlich beworben werden. Ich muss zugeben, auf den ersten Blick gefiel mir das neue Outfit nicht besonders, das alte fand ich wesentlich hübscher. Jedoch will ich hier nicht vorschnell urteilen, sondern mich erst mal von den nächsten Ausgaben überraschen lassen. Außerdem kann ich auch nicht ausschließen, dass es zum Teil auch einfach die Gewohnheit war, die mir das alte Gewand als sympathischer erscheinen lies. Und am Ende kommt’s ja dann doch auf die Inhalte an.

Genau hier, bei den Inhalten, Themen und Standpunkten der verschiedenen Autoren, möchte ich auch weitermachen. Thematisch interessieren mich die Artikel meist sehr. Nur wenige gehen völlig an meinem Interessengebiet vorbei. Allerdings stehe ich den vertretenen Meinungen der Autoren auch oft äußerst kritische gegenüber! Jedoch macht genau dies für mich die Lektüre des Magazins immer wieder interessant. Nur meine eigene Meinung bestätigt zu lesen ist schließlich kaum ein geistiger Fortschritt.

Die aktuelle Ausgabe befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Zusammenhang von Wirtschaft und Politik. Es geht darum inwiefern Wissenschaft Politik macht und sich Politik mittels wissenschaftlicher Standpunkte rechtfertigt und damit ein wenig aus der Verantwortung stiehlt. Kritisiert wird, dass wissenschaftliche Standpunkte zum Konsens erklärt werden und damit, diesem Konsens in Opposition stehende Wissenschaft und Wissenschaftler diskreditieren will. Insbesondere beim Themakomplex Klimawandel und Klimaschutz würden solche zu Dogmen erhobene wissenschaftliche und politische Standpunkte sogar zur nachteiligen Behinderung von offener zukunftsfähiger Forschung führen. Über dieses Thema beabsichtige ich in den nächsten Tagen einen eigenen Beitrag zu schreiben, so will ich ihn jetzt nicht weiter vertiefen.

Trotz der inhaltlichen Kritik, mit der ich vielen Beiträgen begegne, ist das Magazin in jedem Fall eine lohnens- und empfehlenswerte Lektüre. So mache ich auf diese Weise ein bisschen Werbung um mögliche Abonnementen und unterstütze damit das momentane Vorhaben der Redaktion, größere Publizität zu erreichen. Besonders sympathisch und wertvoll empfinde ich die konsequent kritische Haltung, auch und vor allem, dem gerade vorherrschenden gesellschaftlichen Konsens gegenüber. Im Selbstportrait des Magazins heißt es:

Wir schreiben gegen selbstgefällige Volkserzieher, bürokratische Kleingeister, apokalyptische Rufer und neoreligiöse Moralisten. Uns interessiert, was Sache ist, und nicht, was das Stimmungsbarometer misst. Wir spüren in den Nischen des globalen intelektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können. Wir bieten Argumente für den Forschritt und stehen für Freiheit, Vernunft und Humanismus. Jeder, der mit in den Ring steigen möchte, ist willkommen und soll sich melden.

Unter dieser einladenden und freiheitlichen Selbstdarstellung, halte ich Novo für einen geeigneten Ort eine intelligente und inhaltlich kontroverse Diskussion um brennende gesellschaftliche, politische und ökologische Themen zu führen.

Green IT? Energiefresser im Informationszeitalter

In der Zeit-Ausgabe Nr. 10 vom 28. Februar, erschien ein interessanter Artikel von Marcus Rohwetter über den massiven Energieverbrauch von Rechenzentren. Dass IT lange nicht so umweltfreundlich ist, wie in den Anfängen vermutet, wo man noch vom papierlosen und damit Ressourcen schonenden Büro geträumt hat, das ist schon seit Jahren kein Geheimnis mehr. In diesem Jahr steht jedoch die gerade stattfindende CeBIT (4. – 9. März) unter dem Motto: green IT. Dies sollte ein Anlass sein, auch einmal über Möglichkeiten des Energiesparens im IT-Bereich nachzudenken.

Im Zeit-Artikel erfährt man, dass Rechenzentren, wie sie weltweit von Internetfirmen wie Google betrieben werden, mittlerweile zu den energieaufwändigsten Anlagen überhaupt gehören. Was ehemals Aluminiumfabriken waren, sind heute Serverhallen! Google beispielsweise, das Unternehmen betreibt angeblich bis zu 200 Rechenzentren, hält sich mit konketen Aussagen über die Standorte von Rechenzentren und die Herkunft der Energie zurück. Der Gesamtverbrauch der weltweiten Rechenzentren betrug 2005 123 Milliarden Kilowattstunden, für 2010 wird er auf 216 Mrd. KWh geschätzt. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch der Stadt Berlin beträgt 13 Mrd. KWh.

Auch Alternativen zur derzeitigen, energieintensiven IT-Welt werden angesprochen. Durch Cloud Computing ließen sich zum Beispiel bis zu 90 Prozent der Energie sparen. Das wäre ein Prinzip, bei dem, anders als der gängigen Praxis der Personalcomputer, die Rechenleistung, Software und Daten in Rechenzentren gesammelt und am einzelnen Arbeitsplatz nur noch Terminals stehen würden.

Solche und andere Maßnahmen sind sicherlich ein sinnvoller Weg, den Energieverbrauch zu senken. Vor allem für geschäftlich genutzt Rechner und öffentliche PCs, wäre Cloud Computing eine leicht umsetzbare Maßnahme. Bei PCs für dem privaten Gebrauch zuhause, würden damit allerdings auch Probleme des Datenschutzes und der Privatsphäre auftauchen, die eine schnelle Umsetzung solcher Maßnahmen verhindern. Niemand möchte seine eigenen vertraulichen Daten in irgendwelchen Rechenzentren lagern, die sich der eigenen Kontrolle völlig entziehen. Allerdings sind hier sicherlich auch Lösungen in der Mitte möglich. Rechenleistung teilen und trotzdem lokale Datenträger verwenden, PCs wesentlich mehr auf den individuellen Bedarf anpassen und somit für bessere Energieeffizienz sorgen und Anderes.

Da ich selbst kein so großer Computerfreak bin, werde ich die CeBIT nicht besuchen. Vielleicht lässt sich aber in den Medien in den nächsten Tagen erfahren, wie weit Konzepte zur nachhaltigen Energiewirtschaft dort thematisiert werden.

Hagen Rether über Muslimbashing in Deutschland

Im Jahresrückblick 2007 spricht der Comedian Hagen Rether viel wahres und erschreckendes über deutsche Medien- und Gesellschaftsrealität an. Ein Video, das sich zu sehen lohnt!

Wieder im Ghetto?

Eben las ich in der Ausgabe 78 von Lettre International den gleichnamigen Titel (dort allerdings ohne ein Fragezeichen) von Göran Rosenberg. Danach gleich den PC angeschmissen, um meine Gedanken, zumindest in Rohform, für einen Blogeintrag aufzubereiten und nach dem Autor zu googeln. Er war mir bisher eher unbekannt.

Dabei finde ich neben mehreren weiteren Artikeln des Autors auch, dass – wen wunderts, schließlich liegt diese Ausgabe der LI schon seit einiger Zeit wartend auf meinem weiterhin wachsenden Lesestapel – andere, wohl bekannte Netz-Schreiberlinge mal wieder um einiges schneller waren. Von daher gleich vorneweg, hier der Link zu Lizas Welt, die bereits am 26.10.2007 (!!) einen Kommentar in der Blogsphäre hinterlassen hat. Zu ihrem Beitrag möchte ich jedoch hier nicht weiter Stellung nehmen, sondern viel mehr mein eigenes Empfinden beim Lesen reflektieren.

Göran Rosenberg baut seinen Artikel zunächst einmal etwas mehrschichtig auf. Da ist seine verstorbene Tante Bluma, zu deren Beerdigung er nach Israel reist und über seine eigene Familiengeschichte berichtet. Dann bezieht er sich auf einen israelischen Dokumentarfilm, in dem die aktuelle Situation des Landes mit der Festung Massada und einem Kollektivselbstmord während der römischen Belagerung vergleicht. Das dritte Element, ist der direkte kritische Bezug auf die derzeitige israelische Politik, der ich in vielen Punkten nicht zustimmen kann.

[Dieser Beitrag wird morgen oder in den nächsten Tagen fertiggestellt!]

[…oder vielleicht doch noch etwas später. mal sehn!]