nullmeridian aka nunatak

Hin und wieder schreibe ich hier was.

Monat: März, 2008

Über Klimahysteriker und dessen Leugner

Seit Anfang 2007 die ersten Berichte des 4. IPCC-Report veröffentlicht wurde dominiert die Diskussion um den Klimawandel die Wissenschaft und über die Medien auch die Öffentlichkeit. Viel Unsinn und ein bisschen Wahres wurde in dieser Zeit publiziert. Eine drohende Apokalypse in nur wenigen Dekaden ins Bewusstsein der Menschen zu zeichnen, wird kaum zur Aufklärung und zu bewussterem Handeln beigetragen haben. Während bei den sensationsgeilen Schundmedien, die am Anfang am lautesten nach der Katastrophe gerufen haben, das Thema schon längst wieder den Nichtigkeiten des Alltags gewichen ist, geht die Debatte in etwas seriöseren und glaubhafteren Medien weiter.

Nun will ich hier keinen Gesamtüberblick über die Diskussion liefern, ein solcher Versuch wäre bei der Masse von Artikeln, Büchern und anderen Beiträgen zum Thema sicherlich zum Scheitern verurteilt. Wirklich interessierte Menschen werden sich ohnehin bereits selbst einen gewissen Überblick verschafft haben. Ich will viel mehr meinen eigenen Senf zu den beiden in der Überschrift genannten Extremen beitragen und über mein Verständnis von öffentlich, politischer Vermittlung einerseits, und wissenschaftlich, objektiver Forschung andererseits reflektieren.

Die anfängliche Klimahysterie ist nach der ersten Zeit, in der sich die Medien aus Werbegründen gegenseitig mit noch packenderen und erschreckenderen Überschriften zu überbieten versuchten, allmählich wieder abgeflacht. Jedoch bleiben verschiedene Meinungslager in der öffentlichen Diskussion zurück, die sich gegenseitig als HysterikerInnen und LeugnerInnen bezeichnen und auf diese Weise diffamieren wollen. Auf der einen Seite die Anhänger der IPCC, Wissenschaftler denen die Hinweise die für eine globale Erwärmung sprechen ausreichen um von einer Gefahr des Klimawandels zu sprechen. Auf der anderen: viele kritische Journalisten, Wissenschaftler denen die Beweise noch nicht ausreichend sind, aber auch Lobbyisten, die verschiedenen Industriezweigen und Gruppen nahe stehen, denen ein Klimawandel nicht ins Weltbild passt.

Der Klimawandel ist ein hochkomplexes Themengebiet, dessen vollständige Zusammenhänge und Faktoren auch die Wissenschaft noch lange nicht ausreichend erfassen und modellieren kann. Wie schwierig wird es dann für uns Laien einigermaßen gesicherte Aussagen zu treffen und den richtigen Weg zu kennen? Ich selbst bin in meinem Geographiestudium erst vor wenigen Semestern in den Klimakomplex eingetaucht und beginne nach einigen Vorlesungen und Seminaren so langsam etwas grundlegenderes Verständnis aufzubauen. Jedoch auch dies natürlich nur im Rahmen in dem es mir vermittelt wurde bzw. nach den Lehrmeinungen die meine Dozenten und Dozentinnen, mein Institut oder der zeitgemäße wissenschaftliche Konsens eben gerade vertreten. Und natürlich die eigenen Ansichten die ich mir bei der weiteren Beschäftigung mit dem Thema bisher gebildet habe.

Es können sowohl für als auch gegen einen menschlich verursachten Klimawandel wissenschaftliche Argumente vorgeführt werden, die einseitige Berufung auf das Eine oder das Andere sind leider in vielen populärwissenschaftlichen Artikeln, Büchern und Filmen Praxis und führen zur vollständigen Verwirrung interessierter Laien. In dem Film The great global warming swindle beispielsweise werden ganz bewusst Fakten selektiv und einseitig dargestellt um die gewünschte Aussage zu erhalten.

Ein Dozent, bei dem ich im letzten Semester eine sehr interessante und lehrreiche Vorlesung über Paläoozeanographie gehört habe, sagte dazu sinngemäß: Es sei sicher richtig und wichtig, dass in der Wissenschaft in alle Richtungen geforscht und diskutiert werden, für die öffentliche Meinungsbildung sei dieses Durcheinander aber sicherlich nicht sinnvoll, da es einem bewussterem Umgang mit Ressourcen und Klimaschützendem Verhalten im Weg stehe.

Diese Aussage kann ich durchaus unterstützen! Denn selbst wenn der genaue Einfluss des Menschen noch nicht richtig klar ist, die Auswirkungen des steigenden CO2-Gehalts in der Atmosphäre nicht abschließend gesichert sind, bleiben einige Fakten zweifelsfrei: der erhöhte CO2-Gehalt wird durch den menschlichen Einsatz fossiler Energieträger verursacht, CO2 ist ein klimarelevantes Treibhausgas, da dessen Absorptionsbanden im Bereich der langwelligen terrestrischen Strahlung liegen, der Ausstoß fossiler Brennstoffe hat neben der Klimabeeinflussenden auch andere schädliche Umwelteinwirkungen. Außerdem, unabhängig davon, wie lange nun die Reserven von Erdöl und Erdgas noch tatsächlich reichen, endlich sind sie allemal und die ungleiche Verteilung fördert schon heute massive zwischenstaatliche Konflikte und wirtschaftliche Spannungen. Eine zukunftsorientierte Entwicklung kann also nur eine solche sein, die sich nach Alternativen zur existierenden Energiewirtschaft umsieht.

Ob jetzt CO2 in dem Maße zur Erwärmung beiträgt wie manche es sagen, oder ob die Erwärmung durch eine angeblich einsetzende Eiszeit ausgeglichen wird: Die Reduzierung des CO2-Ausstßes kann jedenfalls keinen schädlichen Einfluss auf das Ökosystem Erde haben, soviel ist sicher! Deswegen ist es schädlich hier in der öffentlichen Meinungsmache gegenzulenken und alles nur als die bloße Katastrophenphobie einiger Wissenschaftler und Umweltschützer abzutun.

Anders verhält es sich im wissenschaftlichen Diskurs. Auch hier scheinen sich regelrechte Fronten aufzubauen und einen politisch gewollte Konsens zu konstruiert, der einer Forschung in verschiedenen Richtungen hinderlich ist. Forschung kostet viel Geld, so sind einzelne Forscher und Institute immer auf der Suche nach Geldgebern. Wenn ein zu starker Meinungskonsens besteht, kann auch das die Entwicklung stark bremsen.

Die Zeitschrift Novo beschäftigte sich in den letzten Ausgaben immer wieder mit dem Klimawandel und ging dabei – der eigenen Philosophie folgend – stets kritisch mit dem vorherrschenden wissenschaftlichen Konsens und auch mit der engen Verzahnung von Wissenschaft und Politik um. Dabei kamen beispielsweise der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und auch das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eher schlecht weg. Genaue Beobachtung und kritische Grundhaltung ist immer gefordert, inhaltlich sehe ich die Arbeit der beiden genannten Institutionen etwas anders. Trotzdem, ob man die Arbeit im Einzelnen nun für gut oder weniger gut hält, es schadet der freien Wissenschaft wenn deren Ergebnisse von der Politik als Konsens erklärt werden und damit jeder oppositionellen Forschung damit die Anerkennung und Förderung verwehrt. Der Klimawandel ist noch viel zu wenig erforscht um sich bereits auf eine einzige Lehrmeinung festzulegen.

Etwas, das mir bei den Artikeln verschiedener Autoren zum Thema in der Novo aufgefallen ist, dass immer wieder, vielleicht nicht immer explizit aber doch unterschwellig, Position für die Kernenergie oder ein Festhalten an den fossilen Brennstoffen auf Erdölbasis ergriffen wurde. Die Zeitschrift titelt sich jedoch mit dem Zusatz: Argumente für den Fortschritt. Beides, Kernenergie und Petroindustrie sind aussterbende Relikte aus dem letzten Jahrhundert – oder sollten es zumindest sein! – und mitnichten modern. Dafür das Wort zu ergreifen ist nicht fortschrittlich sondern konservativ bis reaktionär!

Übrigens sollte einer Zeitschrift, die sich radikal auf die Freiheit des Menschen beruft, nicht zwei Industriezweige fördern, die extrem monopolistisch organisiert sind und deren Lobbyismus große Macht zulasten demokratischer Grundsätze besitzt. Die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen und anderer innovativer Alternativen bieten, neben den positiven Umwelteinflüsse, auch die Möglichkeiten einer demokratischeren und freiheitlicheren Gesellschaftsordnung.

Kernenergie erzeugt zwar keinen CO2-Ausstoß, jedoch das Drumherum, der Bau von Anlagen, die Gewinnung und die höchst problematische Entsorgung radioaktiver Stoffe ist alles andere als CO2-neutral. Welche anderen Risiken mit der „friedlichen Nutzung“ der Kernenergie noch alles verbunden sind, weiß jeder. Im aktuellen Freitag ist es das Thema der Woche.

Die Politik sucht für alles eine schnelle und einfache Lösung. So wird z.B. der steigende Einsatz von Biokraftstoffen schon als durchschlagender Fortschritt gegen den Klimawandel erklärt. Das ist natürlich Unsinn, das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur, dass für den Anbau von Pflanzen zur Kraftstoffgewinnung Regenwälder – z.B. in Brasilien und Indonesien – abgeholzt, Flächen die zum Anbau von Nahrungsmitteln gebraucht würden, wegen der höheren Rendite umfunktioniert werden und damit als Monokulturen bewirtschaftet werden. Beim Anbau und der Ernte von Pflanzen für Biosprit werden große Mengen fossiler Energie verbraucht. Von einem geschlossenen, kurzen CO2-Kreislauf kann also hier keine Rede sein. Außerdem zementiert diese Politik de facto die Beibehaltung der Verbrennungsmotoren mit Treibstoffen auf Erdölbasis. Sicher, die Automobilindustrie macht Druck, aber Innovation ist was anderes!

Ein Großteil der Biosprit-Rohstoff-Produktion wird in Schwellenländern geleistet. Dort stehen zum einen die Flächen zur Verfügung, zum anderen können die Bauern dort die Einkünfte sehr gut gebrauchen. Aber auch hierzulande blühen seit Jahren zunehmend mehr Rapsfelder und Mais wird, statt zu Futtersilage, in Bio-Ethanol umgewandelt. Wie ich auf einem Eintrag des ArtenBlog.de erfahren habe, wurde im letzten Jahr vom Wissenschaftlichen Beirat Agrarpolitik ein Gutachten erstellt, das der Biodiesel-Produktion eine recht bescheidene Note im Nutzen zur CO2-Reduzierung ausstellt. Natürlich nicht ohne den Zusatz, dass dieses Ergebniss nicht heiße, der Weg des Biosprits sei der Falsche!

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Religionen im deutschen Schulsystem

Übers Wochenende war ich unterwegs, zuhause in der Heimat. Sowohl auf der Hin- als auf der Rückfahrt, als ich da so halb dösend, halb lauschend auf dem Rücksitz einer Mitfahrgelegenheit saß, kam jeweils ein Radiobeitrag zum Umgang mit dem Islam im deutschen Schulsystem. Beides ein alter Hut, doch beides voller Widersprüche und Ungereimtheiten.

Die erste Meldung, es war auf WDR 2 oder 3, am letzten Freitagvormittag. Es ging um Islamunterricht an deutschen Schulen. Auf der Islamkonferenz, die der Integration und dem Dialog dient, wurde er gefordert und eigentlich soll er auch kommen. Jetzt wurde gesagt, in NRW sei er vorerst nicht möglich, es fehle ein konkreter Ansprechpartner. Somit bleibt es bei bloßer Islamkunde, wie es als Fach schon unterrichtet wird.
An diesem Punkt fange ich dann an zu denken: Prima! Islamkunde ist doch super! So soll es sein. Wieso überhaupt Religionsunterricht? Sollte nicht auch endlich einmal der Schritt gemacht werden, den christlichen Unterricht, der im Gegensatz zur Religionskunde, das Glaubensbekenntnis vermitteln und die Schüler zum Mitglied der Glaubensgemeinschaft erziehen soll, ein für alle mal abzuschaffen? Was bitte hat das im Bildungssystem verloren?

Die Schule soll Menschen zu mündigen, selbstverantwortlich handelnden Menschen erziehen. Die Werkzeuge und Fähigkeiten vermitteln die in dieser Gesellschaft zum erfolgreichen Leben benötigt werden. So zumindest mein Verständnis von schulischer Bildung. Erziehung zum Glauben ist das Privileg der Eltern. Wenn diese unbedingt meinen, ihrem Nachwuchs den eigenen Glauben mitgeben zu müssen, sollen sie das tun. Gerne!

Deswegen: Religionskunde! Und zwar gleichberechtigt und für alle die Kunde aller wesentlichen Religionen. Sicher, im europäischen Raum erscheinen im Alltagsgeschehen die christlichen Religionen sowie der Islam, aber auch das Judentum als die wichtigsten und damit am relevantesten. Aber auch die Kenntnis von Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Konfuzianismus und verschiedene andere Strömungen – auch Sekten – können helfen, sich entwickelnden Menschen eine Basis zur freien Entscheidung zum Glauben oder dagegen, oder einfach nur um der Kenntnis der damit verbundenen kulturellen Verschiedenheiten zu geben.

Solange es aber christlichen Religionsunterricht gibt, muss es, auch wenn es ein Schritt in die falsche Richtung ist, gleichberechtigt auch allen anderen Glaubensgemeinschaften erlaubt sein, diesen in ähnlicher Form für Schüler und Schülerinnen der entsprechenden Religion anzubieten.

Auf der Rückfahrt kam dann auf SWR 3(?) ein Beitrag, der von einer Grundschullehrerin in Baden-Württemberg berichtete, die gegen das Verbot, ein Kopftuch zu tragen, bei der Schulbehörde klagte. Es handelt sich um eine, zum Islam konvertierte Frau, die schon seit Jahren das Kopftuch im Unterricht trug, der es jetzt allerdings verboten wurde.

Im Grunde ist es mir ziemlich egal wie solche Dinge gehandhabt werden. Ich bin damit einverstanden und sehe es auch als berechtigt an, wenn, wie beispielsweise in Frankreich, gesagt wird: Jegliches Tragen religiöser Symbole ist in der Schule verboten. Andererseits empfinde ich es nicht als schädlich, wenn eine muslimische Lehrerin ein Kopftuch, ein Christ dagegen ein Kreuzsymbol trägt. Das kann den Dialog fördern und Toleranz schulen. Kinder in einer Grundschule werden die Lehrerin fragen wieso sie das Tuch trägt und diese kann denen erklären warum es für sie wichtig ist. Solange es jeder einzelnen Lehrkraft selbst überlassen ist, Symbole zu tragen oder eben nicht, sehe ich keine Gefahr durch Beeinflussung gegeben. Es ist schließlich mehr als unwahrscheinlich, dass plötzlich eine ganze Schule in Deutschland nurmehr aus Lehrkräften islamischen Glaubens besteht, so dass diese Homogenität zum Problem werden kann. Diese Gefahr würde nur dann bestehen, wenn es im Interesse der Schule selbst läge, was mit der Glaubensfreiheit des Grundgesetztes allerdings nicht zu vereinbaren wäre. Da stellt doch schon viel mehr das Kreuz das in den meisten bayrischen Klassenräumen hängt eine größere Manipulation dar.

Was mich dann allerdings geärgert hatte, da auch hier wieder ein Widerspruch in der Gleichbehandlung der Religionen deutlich wird, ist die Tatsache, dass das Gericht selbst den Einwand, es würden an irgendeiner Schule in der Gegend auch drei Frauen im Ordensgewand unterrichten, nicht gelten lies. In Wahrheit sind es nicht drei Lehrerinnen im Ordensgewand. An sehr vielen, zumindest süddeutschen, Schulen sind Nonnen in entsprechender Robe eine Alltäglichkeit. Ich selbst ging vor Jahren in Bayern zur Schule und hatte mehrmals das – manchmal auch zweifelhafte – Vergnügen.

Was will ich sagen? Im Grunde dies: Religionsunterweisung raus aus den Schulen! Und bis es soweit ist, wenigstens konsequente Gleichbehandlung aller Glaubensgemeinschaften.

Das Magazin Novo im neuen Gewand

Vor ein paar Tagen habe ich angefangen meine Blogroll und eine Linkliste mit lesenswerten Seiten zu füttern. Darunter befindet sich auch das Magazin Novo. Online lese ich die Texte schon einige Zeit und seit einem halben Jahr habe ich das alle zwei Monate erscheinende Heft auch im Abo.

Ab der aktuellen Ausgabe erscheint das Magazin nun in einem neuen Layout und nennt sich Novo Argumente für den Fortschritt. Damit einhergehen soll auch verstärkte Bekanntmachung. Novo wird erstmals in Bahnhofsbuchhandlungen verkauft und soll zukünftig auch an Universitäten öffentlich beworben werden. Ich muss zugeben, auf den ersten Blick gefiel mir das neue Outfit nicht besonders, das alte fand ich wesentlich hübscher. Jedoch will ich hier nicht vorschnell urteilen, sondern mich erst mal von den nächsten Ausgaben überraschen lassen. Außerdem kann ich auch nicht ausschließen, dass es zum Teil auch einfach die Gewohnheit war, die mir das alte Gewand als sympathischer erscheinen lies. Und am Ende kommt’s ja dann doch auf die Inhalte an.

Genau hier, bei den Inhalten, Themen und Standpunkten der verschiedenen Autoren, möchte ich auch weitermachen. Thematisch interessieren mich die Artikel meist sehr. Nur wenige gehen völlig an meinem Interessengebiet vorbei. Allerdings stehe ich den vertretenen Meinungen der Autoren auch oft äußerst kritische gegenüber! Jedoch macht genau dies für mich die Lektüre des Magazins immer wieder interessant. Nur meine eigene Meinung bestätigt zu lesen ist schließlich kaum ein geistiger Fortschritt.

Die aktuelle Ausgabe befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Zusammenhang von Wirtschaft und Politik. Es geht darum inwiefern Wissenschaft Politik macht und sich Politik mittels wissenschaftlicher Standpunkte rechtfertigt und damit ein wenig aus der Verantwortung stiehlt. Kritisiert wird, dass wissenschaftliche Standpunkte zum Konsens erklärt werden und damit, diesem Konsens in Opposition stehende Wissenschaft und Wissenschaftler diskreditieren will. Insbesondere beim Themakomplex Klimawandel und Klimaschutz würden solche zu Dogmen erhobene wissenschaftliche und politische Standpunkte sogar zur nachteiligen Behinderung von offener zukunftsfähiger Forschung führen. Über dieses Thema beabsichtige ich in den nächsten Tagen einen eigenen Beitrag zu schreiben, so will ich ihn jetzt nicht weiter vertiefen.

Trotz der inhaltlichen Kritik, mit der ich vielen Beiträgen begegne, ist das Magazin in jedem Fall eine lohnens- und empfehlenswerte Lektüre. So mache ich auf diese Weise ein bisschen Werbung um mögliche Abonnementen und unterstütze damit das momentane Vorhaben der Redaktion, größere Publizität zu erreichen. Besonders sympathisch und wertvoll empfinde ich die konsequent kritische Haltung, auch und vor allem, dem gerade vorherrschenden gesellschaftlichen Konsens gegenüber. Im Selbstportrait des Magazins heißt es:

Wir schreiben gegen selbstgefällige Volkserzieher, bürokratische Kleingeister, apokalyptische Rufer und neoreligiöse Moralisten. Uns interessiert, was Sache ist, und nicht, was das Stimmungsbarometer misst. Wir spüren in den Nischen des globalen intelektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können. Wir bieten Argumente für den Forschritt und stehen für Freiheit, Vernunft und Humanismus. Jeder, der mit in den Ring steigen möchte, ist willkommen und soll sich melden.

Unter dieser einladenden und freiheitlichen Selbstdarstellung, halte ich Novo für einen geeigneten Ort eine intelligente und inhaltlich kontroverse Diskussion um brennende gesellschaftliche, politische und ökologische Themen zu führen.

Green IT? Energiefresser im Informationszeitalter

In der Zeit-Ausgabe Nr. 10 vom 28. Februar, erschien ein interessanter Artikel von Marcus Rohwetter über den massiven Energieverbrauch von Rechenzentren. Dass IT lange nicht so umweltfreundlich ist, wie in den Anfängen vermutet, wo man noch vom papierlosen und damit Ressourcen schonenden Büro geträumt hat, das ist schon seit Jahren kein Geheimnis mehr. In diesem Jahr steht jedoch die gerade stattfindende CeBIT (4. – 9. März) unter dem Motto: green IT. Dies sollte ein Anlass sein, auch einmal über Möglichkeiten des Energiesparens im IT-Bereich nachzudenken.

Im Zeit-Artikel erfährt man, dass Rechenzentren, wie sie weltweit von Internetfirmen wie Google betrieben werden, mittlerweile zu den energieaufwändigsten Anlagen überhaupt gehören. Was ehemals Aluminiumfabriken waren, sind heute Serverhallen! Google beispielsweise, das Unternehmen betreibt angeblich bis zu 200 Rechenzentren, hält sich mit konketen Aussagen über die Standorte von Rechenzentren und die Herkunft der Energie zurück. Der Gesamtverbrauch der weltweiten Rechenzentren betrug 2005 123 Milliarden Kilowattstunden, für 2010 wird er auf 216 Mrd. KWh geschätzt. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch der Stadt Berlin beträgt 13 Mrd. KWh.

Auch Alternativen zur derzeitigen, energieintensiven IT-Welt werden angesprochen. Durch Cloud Computing ließen sich zum Beispiel bis zu 90 Prozent der Energie sparen. Das wäre ein Prinzip, bei dem, anders als der gängigen Praxis der Personalcomputer, die Rechenleistung, Software und Daten in Rechenzentren gesammelt und am einzelnen Arbeitsplatz nur noch Terminals stehen würden.

Solche und andere Maßnahmen sind sicherlich ein sinnvoller Weg, den Energieverbrauch zu senken. Vor allem für geschäftlich genutzt Rechner und öffentliche PCs, wäre Cloud Computing eine leicht umsetzbare Maßnahme. Bei PCs für dem privaten Gebrauch zuhause, würden damit allerdings auch Probleme des Datenschutzes und der Privatsphäre auftauchen, die eine schnelle Umsetzung solcher Maßnahmen verhindern. Niemand möchte seine eigenen vertraulichen Daten in irgendwelchen Rechenzentren lagern, die sich der eigenen Kontrolle völlig entziehen. Allerdings sind hier sicherlich auch Lösungen in der Mitte möglich. Rechenleistung teilen und trotzdem lokale Datenträger verwenden, PCs wesentlich mehr auf den individuellen Bedarf anpassen und somit für bessere Energieeffizienz sorgen und Anderes.

Da ich selbst kein so großer Computerfreak bin, werde ich die CeBIT nicht besuchen. Vielleicht lässt sich aber in den Medien in den nächsten Tagen erfahren, wie weit Konzepte zur nachhaltigen Energiewirtschaft dort thematisiert werden.